Anne-Marie Flammersfeld

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Sonntag, 30. November 2014

Die Faszination der Mentalen Stärke nach zwei Jahren Ultralauf

Ich werde ja immer wieder zum Thema Mentale Stärke befragt. Häufig soll ich beschreiben, wie viel Prozent die Mentale Stärke ausmacht. Vor einem Jahr habe ich noch gesagt, dass es vielleicht 60 bis 70% sind, war mir aber auch nicht ganz sicher. Ich habe in den letzten Monaten viel darüber nachgedacht und würde nach meinem Studium der eigenen Erfahrungen behaupten, dass der Kopf der absolut entscheidende Motor ist. Mit meiner Willenskraft kann ich mich antreiben, motivieren, beeinflussen und auch bremsen. Meine Gedanken kreieren eine Idee und je nachdem wie stark ich meine Begeisterungsfähigkeit dafür aktivieren kann, entwickelt sich die Idee zum großartigen Projekt. Die Begeisterung treibt mich an. Die Begeisterung beflügelt mich. Die Begeisterung lässt mich handeln. Woher die Idee für etwas kommt, kann ich nicht genau sagen. Der Gedanke entspringt wie ein Funke und entweder entsteht ein gigantisches Feuerwerk oder der Gedanke verpufft so schnell wie er gekommen ist. Die mentale Begeisterung für etwas wirkt sich auch körperlich aus: mein Herzschlag wird schneller, ich bin aufgeregt, werde fast hyperaktiv und will diese Idee gleich umsetzen. Wer also mit dem Trailrunning oder dem Joggen beginnen möchte, muss dafür nur die richtige Begeisterung entwickeln. Dann läuft der erste Kilometer fast von alleine. Die Begeisterung für etwas treibt an. Und dann ist es egal, ob es bei einem Kilometer bleibt, oder man 100 Kilometer rennt. Solange der Kopf in Form ist und die mentale Steuerungszentrale positive Botenstoffe ins Blut feuert, läuft es einfach. Deswegen würde ich behaupten, dass Mentale Stärke vom ersten Schritt an den Erfolg ausmacht.
Nun kommen beim Joggen natürlich noch der Körper und die biomechanischen Gesetzmässigkeiten hinzu. Knorpel, Sehnen, Bänder, Knochen und alle anderen Mitspieler reagieren mit unterschiedlicher Anpassung auf mechanische Reize (=Bewegen der Gliedmaßen). Wird eines der Systeme überfordert, reagiert es mit Schmerzen und signalisiert, das eine Pause sinnvoll wäre. Nun muss sich die Mentale Stärke und die hyperaktive Begeisterung etwas bremsen und den Systemen Zeit zur Adaptation geben. Man muss in dieser Zeit nicht pausieren, sondern kann sich mit anderen Bewegungen (z.B. Radfahren, Schwimmen) in Form halten. Aus einem Kilometer werden dann schnell zwei, drei, vier, zehn, fünfzehn. Natürlich gibt es zwischendurch Krisen und Zweifel und zur hyperaktiven Begeisterung gesellt sich dann auch allmählich der innere Schweinehund, der es der Begeisterung hin und wieder schwer macht. Aber auch in dieser Phase ist es die Mentale Stärke, die sich über alle hinwegsetzen kann und einfach weiter unermüdlich motiviert. Und dann kann es passieren, dass man nach "einiger" Zeit 100 Kilometer am Stück läuft. Und auch da ist es wieder die Mentale Stärke und die Begeisterung, die antreiben. Die Willenskraft als Urkraft gesellt sich dazu und schreit laut: "Du schaffst das, du hast schon so viel geschafft, dann schaffst du das auch noch!". Mentale Stärke und hyperaktive Begeisterung trifft zunehmend "die Erfahrung". Denn mit jedem gelaufenen Kilometer sammelt man lehrreiche Erfahrungen. Und diese verschieben die Grenzen. Wenn man 10 Kilometer locker laufen kann, dann ist doch logischerweise noch Luft nach oben. Also warum nicht beim nächsten Mal 12 Kilometer laufen. Und so verschiebt sich diese Grenze.
Mentale Stärke treibt mich an und lässt mich weitergehen, als zuvor. Doch so sehr ich mich mental auch auf etwas einstelle und trainiere: manche körperlichen Grenzen lassen sich nicht überwinden. Ich wäre zum Beispiel nicht in der Lage, 100 Meter unter 10 Sekunden zu rennen, geschweigedenn unter 12 Sekunden. Der Weltrekord der Frauen liegt bei 10,49 Sekunden (Florence Griffith-Joyner im Jahr 1988). Auch wenn ich mental und physisch noch so hart trainieren würde, ich würde es nicht schaffen. Weil manche Dinge einfach genetisch vorgegeben sind und die Mehrheit meiner Muskelfasern vom Typ "langsam zuckender Faser" bestehen, was bedeutet, dass ich über zuwenig Einheiten verfüge, die für die Schnelligkeit verantwortlich sind. Natürlich kann ich meine Schnelligkeit trainieren, aber ich würde nie die Zeit laufen, die für einen Weltrekord reicht. Mit dieser Erkenntnis kann ich mich dann aber wiederum auf die Stärken konzentrieren und an diesen arbeiten.
Ist Mentale Stärke dann also nur so lange erfolgreich einsetzbar wie innere (oder genetische) Umstände es zulassen? Ich denke, so lange man einer Idee, die man hat, nicht nachgeht, sie nicht ausprobiert, nicht selber erfährt und erspürt, wie es sich anfühlt; wenn man nicht selber die Erfahrung macht, wie es ist, kann man nicht sagen, dass man es nicht kann. Denn: auf diese Weise entdeckt man (verborgene) Talente, erkennt Schwächen, verschiebt Grenzen und vor allem: man erlebt etwas. Man sammelt Erfahrung. Und dazu lohnt es sich immer, etwas auszuprobieren.
Mentale Stärke- Fortsetzung folgt.
Mein Musiktipp: https://www.youtube.com/watch?v=-AORasS2Oxc



Sonntag, 16. November 2014

UvU volcano marathon in the Atacama desert or how it feels to race in altitude...



I went to the Atacama desert with a mixture of different feelings. When Richard Donovan asked me to race the volcano marathon I was not sure what to expect. I know that Richard is a brilliant race director and well known for tough events. When I had a look on the course I was sure to run 42.2 kilometres- but with an average of altitude of 4000 meters? The body suffers a lot in that zone of limited oxygen pressure and has to work even more stronger. With the start on 4500 meters and the finish on 3600 m I thought that will maybe not too bad because we are running downhill most of the time. A closer look on the profile showed me that there is a nice climb for 600 meters up again on 4200 meters. With my experiences of the altitude I knew that as higher I get as better it will be. But what about the between? I stopped asking myself further questions and told Richard that I will be there.
But I returned to the Atacama desert also for a different reason. I wanted to run that marathon for Basti who has been there last year in charge of the UvU racing team. My mission was to break his time and to run as fast as I could. I guess he would be happy for that.
After a long journey with stops in Madrid, Santiago de chile and Calama I finally arrived in San Pedro, a nice little village in the middle of the Atacama desert. I had a silent smile in my face because the wonderful memories of my first victory in the Racing the Planet 4 Deserts Series came back to me. In 2012 I ran 250 km through the driest desert on earth and won it unfortunately. But this time my thoughts were more or less still in that emotionally twist of the senseless loss of Basti.
It was really warm when I stepped out of the van. I met Richard and Fearghul as well Judy I met at the North Pole marathon in April that year. The day ended very soon because I was really tired.
In the next 3 days we all went to a couple of places to acclimatised and to get to know the area better. We were lucky to arrive in the Valle de la Luna close in time for sunset. It was a spectacular view standing on the rich of a long rocky hill and look around to the beautiful landscape, while the sky turned into a variation of colours. Mike, the event photographer, took a lot of nice shots and we all soak up the energy around that unique place. For the next day we drove to the Valley of death with its amazing long sand dunes. I remembered that place from the Atacama crossing in 2012 and was happy to be there again. After a nice walk and run we got to the top of the dune. I had a lot of fun running downhill as fast as I coud. It's like running in snow, just sliding downhill softly. I felt good on that day although my body got adapted to the altitude and dry air of 2500 meters. A nice carbo-loading-party in the evening was the start of the final mission on the next day: to run the marathon. I slept really bad as I do always before a race. On the 11th of the 11th we all got up very early to drive for more than one hour through the middle of nowhere up on 4500 meters. It's weird to drive up easily by car to that altitude. Normally you should adapt the body to that altitude in regular steps. But also I know from my experiences that the body needs some time to recognise the lack of oxygen pressure in the air and to start to acclimatise. I was hoping that this would happen to me again. It was really cold and a strong wind was touching us directly from all sides. Suddenly I felt a strong emotional sadness and was not sure if I could go to the start and run. A couple of moments before the start we did a silent minute in honour for Basti and we hold up a nice picture Richard had created. At this Moment I was really sad and didn't realise that Richard was already counting the seconds to the start. I just turned on the engine and ran. My muscles felt ok although I expected the limited amount of oxygen. But the system worked in a good status and I felt that positive energy. After the first 2 km the track marking changed into a wide open field and the massive cold wind came from the front. I thought that will be tough as well the track was only flat!! After a light uphill the first long downhill started and I got in my rhythm. I was running really fast and was wondering that I was not felling the altitude as I expected. I passed the first checkpoint without drinking anything and continued on that long road with a light uphill and downhill what actually was quite nice. I reached checkpoint 2 at km 20 and remembered the profile of the course that between checkpoint 2-3 the uphill started again. The elevation of 600 meters on a 2 kilometre distance up to 4200 meters was really more than exhausting. I got cramps in my legs and my stomach felt sick. I could hear my heart beating really fast but I continue with slow walking until I reached the last checkpoint. I followed a long uphill rich until the highest point and as higher I got as better I felt. The last 10 km were more or less easy downhill with some running through a long and narrow canyon. I liked it really much because it was nice technical running. After the canyon the trail went uphill again until I could see the finish line.
I finished in 4hours 37 minutes what means that I broke the time of my friend Basti with 10 minutes. He would have been very happy I guess...
All in all the race was really tough and a lot of competitors were suffering because of the less oxygen pressure in the air and the cold wind, the difficult terrain and so on. But the landscape of the beautiful Atacama desert is amazing. And the organisation with Richard Donovan and Fearghul Murthy were brilliant and made the event to become  a special experience. Thanks a lot to UVU Racing with Gerhard Flatz and everyone who was with me on that trip.






Montag, 3. November 2014

Der Winter kommt. Winter is coming.

Supercool, supernice, superstrong. Bevor der Winter kommt, darf ich noch einmal dorthin fliegen, wo 2012 mit "Racing The Planet 4 Deserts" alles begann: Die wunderschöne Atacamawüste erwartet mich zu einem der höchsten Marathone der Welt, dem Volcano Marathon. Neben dem North Pole Marathon ist der Volcano Marathon die zweite Veranstaltung von Richard Donovan, unserem Brand Ambassador für UVU Racing. Auch dieses Mal darf ich teilnehmen und alles geben, in der Hoffnung, am Ende noch Luft zu haben: der Marathon startet auf 4500 Metern und endet auf 3600 Metern. Ich hoffe, dass mich der gute Spirit der Atacamawüste vorwärts treiben wird und ich mit Freude das Ziel erreiche. Ich werde den Lauf zu Ehren von Basti machen und versuchen, seine Zeit aus dem vergangenen Jahr zu knacken. Er hätte Freude daran: supercool, superstark, supergeil!
Also werde ich in dieser Woche die Laufschuhe wieder parat machen und zur Abwechslung mal nicht in niegelnagelneuen Schuhen rennen, sondern in ausgelatschten Long-Distance-erprobten Tretern. Zudem wird es sicherlich sehr warm werden und da passt das neueste UVU Outfit perfekt.

Zum Vormerken:
Am Donnerstag, 06.11.2014 : Schweizer Fernsehen SRF1 um 21:00 "Einstein Spezial". Hier die Vorschau:
http://www.srf.ch/sendungen/einstein/sendungen

Am Samstag, 22.11.2014: Deutsches Fernsehen SWR um 21:50 Uhr "Frank Elstner Menschen der Woche". Hier der Link: http://www.swrfernsehen.de/menschen-der-woche

Zudem ein Artikel in der neuesten Ausgabe von Active Woman.

Mein Musiktipp: Fink "Looking to closely"

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Supercool, supernice, superstrong. Before winter arrives, I will fly once again to where it all began in 2012 with Racing the Planet 4 Deserts: The beautiful Atacama Desert expectes me to run one of the highest marathons in the world, the Volcano Marathon. In addition to the North Pole Marathon, the Volcano Marathon is the second event of Richard Donovan, our Brand Ambassador for UVU Racing. I´m really thankful so participate and hope that I will have some air left in my lungs because the Marathon starts at 4500 meters and ends at 3600 meters. I hope that the good Spirit of the Atacama desert will takes me as fast as possible to the finish line and that I reach it with joy. I will make the run in honor of my friend Basti and try to break his time from last year. He would be happy somewhere in the universe where he might be.Just supercool, superstrong, superpretty.

So I'm going to pack everything to fly to South America this week. And for some changes in my pattern this time I will not run in new shoes I will just wear long distance proven one- I guess... In addition, it will certainly be very warm and for this temperatures the latest UVU fits perfectly! 


News:
Swiss Television November 6th, 2014 : SRF1, 9:00p.m. "Einstein Spezial"
http://www.srf.ch/sendungen/einstein/sendungen

German Television November 22th, 2014: SWR, 9:50p.m. "Frank Elstner Menschen der Woche".  http://www.swrfernsehen.de/menschen-der-woche

My music link:  Fink "Looking to closely"


Rock n Roll.  
Lake Staz


Valley in Garmisch from Herzogstand

SRF Einstein Making of!

Winter?

Piz Nair somewhere


Montag, 29. September 2014

Offene Worte an das Leben/ Open words on life.

Mir fehlen noch zu sehr die Worte, als dass ich das beschreiben kann, was letzte Woche Mittwoch passiert ist. Mein guter Freund Basti Haag ist bei seiner Expedition "Double 8" in einer Lawine ums Leben gekommen. Eine Lawine hat ihn und seinen Kollegen Andrea Zambaldi 100 Meter unterhalb des Gipfels des Shishapangma erfasst und 600m mitgerissen. Es ist unfassbar traurig. Basti war Inspiration und Motivation für mich und hat an mich geglaubt. Große Abenteuer wollten wir noch erleben. Er fehlt mir sehr.
Das Leben im Moment leben. Mit Leidenschaft dabei sein. Die Natur genießen. Super cool. Super nice. Super strong. Wir sollten immer das tun, was uns glücklich macht.

Words are missing too much as I can describe what happened last week on Wednesday. My good friend Basti Haag died in an avalanche during his expedition "Double 8" in the Himalaya. An avalanche got him and his colleague Andrea Zambaldi 100 meters below the summit of Shishapangma and carried them away for  600m. It is incredibly sad. Basti was the inspiration and motivation for me and believed in me. Great adventure we wanted to experience in the future. I miss him so much.
Living life in the moment. Be passionate. Enjoy nature. Supercool. Supernice. Superstrong. We should always do what makes us happy.          






Freitag, 19. September 2014

Post Race: what to do!

The time after a race is as interesting and important as the time before and during the race. I guess that a lot of processes are running in the background of the system to get the organism re-organized. You start daily life again but the body still suffers from the huge effort of the last race. When you start running too early I guess that you will get the answer as soon as possible. When you hang around and do nothing is also not good for the body and the system because both are used to be active. What to do?
Start with little runs for 5 km in a very slow pace and just think about to help the system to work out all the acids and stiffness. Maybe some Aquajogging is also good when you like to be in the pool. Healthy food and a lot of water helps as well. As sooner you start with that procedure as better it could be.
After the Zugspitz Ultra in June I did not any of this and got a bad cold and heavy legs for the next 2-3 weeks.
After the Transylvania Race I ate healthy (ok, I drank some Romania Schnaps...) and tried to recover in a better way what was actually really good. What`s really a strange thing is that I dream a lot about the Race. Also 2 weeks after! Sometimes I dream about that I`m still in the race and ask myself why I´m sleeping although I have to run! Funny dreams but they let me not sleep quiet well. I realize that my mind is working a lot and that the thoughts are still process the last race.
I spent some days in France hanging around at the beach and just doing nothing with the exception of some nice 5k runs and some Yoga. But hanging around on the sofa could be more dangerous than running through a black forest by night with bears and Dracula all around you: I just hit my little toe on the edge of the sofa and yes, what can I say: I broke my little toe! I can`t believe it! Maybe my body wants to talk to me and say: "Just sit still and don`t move anymore I need time to recover!" What to do? Running with a broken toe is really painfull. And doing yoga as well. Walking to the beach is more or less impossible but I did it and just fall down on my towel and slept. Is it that what to do after a race? Maybe! Good luck with your recovery!


Montag, 8. September 2014

Transylvania Trail Traverse: wolves, bears and Dracula! English and German report!

There is an English version at the end!

Anne-Marie`s Short film "An Idea": 
http://vimeo.com/99027511
 
Es ist nicht leicht, die vielen Eindrücke vom Transylvania Trail Travese in Worte zu fassen:
Auf der 106 Kilometer langen Strecke ist so einiges passiert.
Die 8500 vertikalen Höhenmeter waren zäher als gedacht und bis Kilometer 45 kreisten meine Gedanken nur darum, aufzuhören, zu schlafen und nach Hause zu fahren. Das war eine ziemlich neue Erfahrung. Mein Kopf war nicht frisch, nicht parat, energielos und mutlos. Ich hörte immer nur Sätze, die mit Aufgeben und Aufhören zusammenhingen. Mit diesem Ballast im Rücken wurde jede Steigung sehr anstrengend. Doch ich habe einmal mehr durchgehalten und meine Gedanken zähmen können.
Freitag Früh um 06:00 Uhr fällt der Startschuss für 55 mutige Läuferinnen und Läufer für die Ultra Distanz. Wir rennen auf einer Skipiste mit gemütlicher Steigung. Meine Gedanken sind frisch, ich finde mein Tempo und laufe vorne mit. Einige andere fangen bereits jetzt an zu walken. Ich lasse mich nicht beirren und laufe in meinem Tempo weiter. Da es noch dunkel ist, leuchtet mir die Stirnlampe den Weg auf dem mittlerweile gerölligen Untergrund. Nach den ersten 5 Kilometer verlassen wir die breite Piste und der Weg verschwindet in einen kaum erkennbaren Pfad durch Gestrüpp, Unterholz und sonstigen Pflanzen. Die zahlreichen Brennesseln und stacheligen Pflanzen bohren sich in meine Beine und Arme und lösen ein fieses Stechen aus. Jetzt ja nicht zu viel darüber nachdenken, denn der weitere Weg sieht nicht danach aus, als ob sich das schnell ändern würde. Es ist mittlerweile so steil, dass ich mich mit beiden Händen an Gras,- oder Brennesselbüschen hochziehen muss. Zahlreiche Bachquerungen führen zu nassen Füssen. Die ersten 700 Höhenmeter sind geschafft, es geht weiter auf die nächsten 1000. Diese führen nun über offene Felder und Wiesen. Damit es nicht langweilig wird, müssen wir steile Felsen mit Seilen klettern und uns über Graskanten raufschwingen. Der Anstieg ist zäh, der Wind peitscht mit leichtem Regen und meine Gedanken fangen an zu kreisen. Mein Geist ist müde und ich denke zum allerersten Mal in einem Wettkampf daran, aufzugeben. Nicht, weil meine Beine nicht mehr wollen. Der Kopf ist müde und die Augen schwer. Das Training der letzten Wochen und die 24 Stunden Wanderung steckt vielleicht noch in den Knochen; oder vielleicht ist es auch etwas anderes. Es quälte mich auf alle Fälle. Auf dem Gipfelgrat des Mt. Omu (2550m) haut mich ein orkanartiger Sturm fast aus den Turnschuhen. Mit Müh und Not ereiche ich den nächsten Checkpunkt. Auf dem folgenden Abstieg rolle ich einfach nur die Falllinie runter und hole Jo und Andrei und einen anderen rumänischen Läufer ein, der als Local den Weg ziemlich gut kennt und uns durch die finsteren Wälder lotst.  Andrei rennt voraus und wir hören plötzlich lautes Rufen und Pfiffe aus der Notfalltröte. Ich denke, dass er sich vielleicht verletzt hat. Als wir ihn einholen ist er immer noch ganz blass im Gesicht: die Begegnug mit einem Bären ist ihm nicht ganz so gut bekommen. Wir rennen weiter und schon bald kommt der nächste Anstieg: es geht von der Südseite auf den Mt. Omu. Wieder 1700hm im 4x4 Gang. Ich mühe mich ab und Jo ist immer ein paar Schritt voraus. Mir ist es egal, ob ich sie einhole oder nicht. Ich kämpfe gegen die innere Stimme an, die immer noch negativ ist. Am Gipfelgrat wieder das gleiche Spiel: Orkanartiger Wind, eiskalt, nur schnell rein in die Hütte zum nächsten Checkpunkt. Dann auf der anderen Seite runter. Immer den Wegweisern folgend. Normalerweise ist der Abstieg meine Lieblingsdisziplin. Doch es will sich einfach kein Flowgefühl einstellen und somit wird der zweite Abstieg zur zähen Geduldsprobe. Beim nächsten Checkpunkt bekommen die herzlichen Helfer nur noch ein Brummen von mir zu hören. Ich registriere wie in Trance die nächste Wegbeschreibung und laufe in den nächsten Wald. Jo taucht plötzlich hinter mir auf. Sie hatte sich verlaufen. Gemeinsam schlängeln wir uns durch das Unterholz bis wir in einen engen Canyon kommen: die "Cave Challenge" beginnt: wir kraxeln, hüpfen, springen, klettern und balancieren über rutschige Felsen und Flussbetten in der Hoffnung, dass es hinter dem nächsten Felsen besser wird. Meine Krise erreicht den Höhepunkt, als ich auf einem dieser zahlreichen glitschigen Steine ausrutsche und ungebremst auf Hand, Ellbogen und Schienbein falle. Zumindest sind das die drei Punkte, die mir einen ziemlichen Schmerz bereiten. Wie ich mit einem einzigen Sturz diese drei Stellen erwischt habe, ist mir rätselhaft. Dieser Sturz löst eine Welle der Schimpfwörter in allen Sprachen, die ich beherrsche aus, und der Knoten der Krise ist etwas geplatzt. Der Weg wird wieder besser und wir können ins leichte Jogging übergehen. Ein weites offenes Feld erstreckt sich vor uns, doch leider fehlen die Markierungen. Jo und ich laufen umher und finden nichts. Ein großer Umweg von ca. 8km später und wir sind wieder auf dem richtigen Weg. Wir sind total alleine unterwegs und weder vor uns noch hinter uns sind Läufer zu erkennen. Zum ersten Mal realisiere ich, dass ich zusammen mit der Engländerin Jo das Rennen anführe. Ich schöpfe wieder etwas mehr mentale Kraft und lasse es rollen. Jo und ich beschließen, das Rennen gemeinsam weiterzuführen und es dann auch gemeinsam vor den Männern zu gewinnen. Es ist zwar ein Wettkampf mit Platzierung, aber bei einer solchen Distanz kann einfach viel passieren. Und die Vorstellung, alleine in der Nacht den Weg zu verlieren, bereitet uns beiden kein Wohlempfinden. Nach 10 Stunden haben wir die Hälfte der Strecke geschafft und passieren den Start,- und Zielbereich. Frisch gestärkt machen wir uns an den dritten langen Aufstieg. Endlich ist auch die Krise vorbei und ich schaffe es, mich die 1700hm in einem kontinuierlichen Tempo raufzuschrauben. Ich bin überrascht, dass meine Beine immer besser laufen, obwohl ich schon so lange unterwegs bin. In der Dämmerung erreichen wir zum dritten Mal den Mt. Omu und werden von den Helfern schon als Siegerinnen gefeiert. Die Dunkeleheit holt uns ein und zugleich bläst ein starker kalter Wind. Immer wieder halten wir an und suchen die nächste Wegmarkierung. Es wird zum Geduldsspiel. Zudem tauchen immer wieder Schafshunde auf, denen es wohl langweilig ist, da sie uns kilomerweit verfolgen und uns bellend Angst einjagen wollen. Ich bin schon ganz heiser vom vielen Schreien und Rufen "heijjjjaa, heeiiija, stay there, don´t move....". Es wirkt mal besser mal schlechter. Wir laufen weiter und erreichen über ein weites Feld den nächsten Checkpunkt. Nun geht es weiter in einem stockfinsteren Wald und ich bin froh, dass ich da nicht alleine durch muss. Ein lautes Brummen und Schnaufen holt uns plötzlich zurück in die Gegenwart und wir realisieren, dass ein Bär ganz nah sein muss. Lautes Rufen und ein Turbosprint und die Geräusche sind wieder weg. Ich muss mich echt beherrschen, dass mir mein Verstand keine Tricks in der Dunkelheit vorspielt. Ich sehe nämlich in jedem Baumstamm und Wurzel irgendwelche Gespenster. Jo geht es ähnlich. Da haben sich ja zwei Ladies gefunden... Wir verlaufen uns unzählige Male und müssen immer wieder die Karte samt Kompass rauskramen. Das kostet wertvolle Zeit. Wir landen beim nächsten Abbiegen in einem steilen trockenen Flussbett, welches an einem steilen Cliff endet. Von oben ruft uns plötzlich eine Stimme entgegen "Are you following the blue track?" Hä? Wer ist denn das jetzt? Durch unser ständiges Verlaufen holt uns die Schwedin Laila nach ca. 70 km ein. Fortan laufen wir in einer Dreiergruppe. Drei Damen als Gesamtführende. Ein leichte Paranoia breitet sich in mir aus, dass uns vielleicht noch weitere Athleten dicht auf den Fersen sind. Fortan bin  ich damit beschäftigt, mich immer wieder umzudrehen, um zu schauen, ob ich weitere Stirnlampe in der Dunkelheit entdecke. Die letzten 20km führen durch dicht bewachsene Singeltrails und anstatt dass es endlich auf den letzten Anstieg geht, führt der Weg in leichten Wellen immer wieder rauf und runter. Ich drehe fast durch und schaue immer wieder auf den Höhenmesser. Endlich erreichen wir den letzten Checkpunkt. Es ist mittlerweile 6 Uhr morgens. Die Helfer haben für uns Teller mit Essen präpariert (Banane, Apfel, Riegel, Chips, Käse und Trockenfrüchte) und fordern uns auf, diesen komplett aufzuessen! Ich entgegne etwas zu ernst: "are you crazy? How can I eat all this food now?!" Zu diesem Zeitpunkt bin ich jenseits von Gut und Böse und kurz davor mich in Dracula zu verwandeln. Endlich geht es auf den Aufstieg und wir erreichen eine völlig neue Landschaft mit einer großen Schafsherde. Die 10 Schafshunde begrüssen uns mit lautem und aggressiven Gebell, doch das ist mir mittlerweile völlig egal. Wir queren das Tal und auf der anderen Seite geht es nochmals 300hm rauf. Endlich. Endlich, endlich endlich haben wir den letzten Anstieg erreicht und fortan heißt es nur noch: Diretissima runter! Ich nehme soviel speed auf wie es nur geht und sehe mich schon mit gebrochenen Beinen im Spital. Ich will nur noch ins Ziel. Lailia und Jo folgen mir und somit erreichen wir nach 25 Stunden und 55 Minuten um 7 Uhr 55 die Skipiste mit Zielgelände. Mit einem lauten Gebrüll rütteln wir alle wach und sprinten mit großen Hüpfern (ich) ins Ziel. Völlig glücklich. Völlig müde. Völlig befreit. Völlig fertig. Erst drei Stunden später soll der erste Mann (Andrei) im Ziel eintreffen. Nur 14 Teilnehmer erreichen überhaupt das Ziel. Jo, Lailia und ich sind die einzigen Frauen, die es geschafft haben. Und gewinnen das Gesamtklassement!
Das ist Abenteuer pur!
Ich möchte mich ganz herzlich bei meinem Ausrüster UVU Racing bedanken. Es ist wirklich immer nur You versus You (Du gegen Dich) und es ist der innere Kampf mit sich selbst, ob man weitergeht oder stehenbleibt. Zudem war das Equipmet einfach spitze.
Compressport und Soglio für eine gute Regeneration und Julbo für den Durchblick. Und der nächste Check bei allcare wird zeigen, wie fit ich bin.

For my English friends! 



Transylvania Trail Traverse: Wolves, Bears and Dracula

It`s not easy to find the right words for that race. It was rough, hard, even extremer than I expected. Running besides bears, barking shepherd dogs and wolves it`s very challenging. The mountains of the Bucegi region are very beautiful and the home of Dracula is a very special place. I haven`t seen him. Maybe he was around in those very dark forests. Glad my mind was doing other things for example counting the altitude and thinking about to give up. I have had never ever such thoughts in race before. On the first 45 kilometers I was just thinking about sleeping, going home and stopping the race right now. My mind was not fresh (maybe because of the 24 hours hiking tour one week before or from other reasons). With all these Up`s and Down`s in my mind and with all these Up`s and Down`s on the track I can say it was really a great race.

At 6 a.m. 55 runners start on a long and moderate ski slope. I get into my rhythm very soon and can follow the first runners. After the first kilometers the track turns into a deep, dark and narrow forest. But it is not a forest! It is a jungle with small river beds, spiny and prickly plants and some other undefined trees. I jump over riverbeds, into riverbeds and grab big bushes of nettle to pull myself up on the next trail. After the first 700 meters of altitude I get out of the jungle right into a slippery forest with a lot of roots and lose rocks. The ascent continues for the next 1000 meters with trails on an open field. Rain, strong winds and a mind full of negative thoughts are against me. I start on thinking to give up just after the next check point. I`m so tired and unmotivated. I think maybe this race will be my first DNF (did not finish). I torture myself up on that steep grassy hill until I reach the top of Mt. Omu on 2550 meters. The wind comes from all sides and is so strong that I think I will fly away. At the checkpoint the marshal shows me the way downhill: “You can follow the trails or you can just go straight down. But option two is very difficult.” As you know me I do not hear the options I just run down in the falling line because this is what I love! Soon I get back to the other two runners in front of me: Jo from the UK and Andrei from Romania. We speed up a bit and Andrei is running in front. I can`t see him anymore. But suddenly I can hear him whistling and shouting. I think he might be injured but when I get to him I can still see his pale face: “Bears! There was a bear just in front of me!” Yes. Ok. I`m glad that the organizer of the event were not telling wrong things. Jo, Andrei and I are following the next ascent to get to the top of Mt. Omu for the second time. A long and steep ascent on grass hills: sometimes so steep that I have to go on four feet.  My mind is still not working for or with me and all these negative thoughts are hanging on my back and pulling me down. I finally reach the top again with strong brutal wind from every side. Normally I really like to run downhill but this time I don`t feel any flow. At the next check point, the warm helper only get a hum from me to hear. I`m somewhere else but not in that race. I continue the trail into the next forest. Suddenly Jo comes from behind me. She lost the way and we are running together until we get into a narrow canyon what means: Crawling on four feet, jumping, hopping, balancing and climbing to get further on the trails. I do not concentrate well. My crisis peaked, as I slip on one of these numerous slippery stones and I fall on my hand, elbow and shin. The pain is all over and I start to shout out bad words in every language I know. That helps me and the crisis of my life is gone. Jo and I continue in a good pace until we reach an open wide field with no markings. We run around like chicken without head for maybe one hour until we find the next sign. We are totally alone. No one is in the front and no one is in the back. We are leading the race and that gives me new energy. We decide to continue the race together what is actually a good decision because we will get lost in the darkness again twice. After halfway the next ascent is just in front of us: from the start line up on Mt. Omu for the third time. After running, hiking, climbing for 10 hours I can feel that I get stronger with every meter of altitude. We make it to the top in less than three hours and get welcome again with a strong and brutal cold wind. At 8 p.m. we have to switch on the headlamp and the mind has to change into “intuitive running”.  I wonder all the time how my feet can find the right way when I don`t see much. I guess it`s the result of a long training process and trusting into my body. Again and again we stop and have to look out for the right way. Angry shepherd dogs are barking and following us. Maybe they like to annoy us and maybe for them it`s a funny game to shock hikers and runners. The next challenge is the following dark forest. Ok, by night everything is dark. But that forest was as dark as black color. As I know that this kind of situations I don`t like because I always think someone is behind me and is touching my shoulder sooner or later I was happy that Jo was with me. We flit through the forest looking around for the right trails and hear strange noises from time to time. Suddenly Jo starts screaming and shouting. I wonder because I havn`t heard anything until my ears recognize that sound of a puffing bear. We start walking a bit faster and start talking to the bears we can`t see but which are around us.  That is actually a really scary feeling. In the darkness my mind is playing tricks to me and in every root or tree I see some ghost. Jo feels and sees the same. Brilliant! Two ladies with a kind of paranoia are alone in a dark forest running since 18 hours. We follow again the wrong trail and end up at a very steep cliff. Suddenly a voice is shouting at us: “Are you following the blue track?” I`m out of anything and scream back: “Yes!” (I`m really sorry!). Laila from Sweden is coming down the wrong trail and together we stand in that dry riverbed complaining about bad markings! But is it as it is and together we start to continue for the last 20 km. Now we are three Ladies leading the race! Until the last checkpoint I get several crisis because the trails are going uphill and downhill like waves and I`m looking out for the last ascent all the time. These thoughts are killing me and I can`t control them. Finally we reach the checkpoint with a warm welcoming of the volunteers. They give us plates with a lot of different food to eat with the advise to eat it all now. I look at them and say: “I can`t eat one banana, an apple, cheese, crisps, bars and dried fruits now!” And they looked at me as I would have said something really bad! After running 24 hours my stomach and my mind are not able to digest that big amount of food. They understand it. Maybe. We continue to the last ascent through bushes on small single trails. We have to cross a beautiful valley up on 2100 meters with hundreds of sheep! And sheep means also dogs. We handle the 10 dogs in a professional way and get up on the last summit in the right moment of sunrise! What a great moment. The last descent of 1200 meters is steep and not so easy to run. I lead the group and my pace gets faster and faster. Finally we run as fast as 100 of bears and dogs and Dracula himself are behind us and I see myself with broken bones in a hospital. We do the 1200 meters in less than 30 minutes and reach the final ski slope after 25 hours and 55 minutes. Everyone is welcoming us and is happy to see us! I`m happy. I´m free. I`m tired. I`m thankful.
It`s only and always You versus You. Thanks to everyone!
 







Freitag, 22. August 2014

Neue Trails, neue Abenteuer, neue Länder

Anne-Marie`s Kurzfilm "An Idea": 
http://vimeo.com/99027511

Es geht weiter, das nächste Abenteuer geht in zwei Wochen los:
Transylvania Race in Rumänien. Ich werde mich auf die Spuren von Dracula begeben und 100 Kilometer durch die tiefsten Wälder und auf die höchsten Berge Rumäniens laufen. Der Zugspitz Ultra war mit 100 Km und 5400 hm im Aufstieg der Test, ob ich in der Lage bin, diese Distanzen zu laufen. Da es beim ZUT ja sehr gut gelaufen ist, habe ich mich nun für die nächste Stufe angemeldet: 100km und 8200 hm im Aufstieg. Das tönt nach ziemlich viel Schweiss, Anstrengung, Zweifeln- aber auch nach neuen Wegen, Trails, Bergen, Landschaften, neuen Grenzen und neuen Gefühlen.
Die Regeneration nach dem ZUT und dem Bottom Up Iran hat doch etwas länger gedauert, als ich dachte. Vielleicht liegt es daran, dass der Organismus in der alpinen Höhe, auf der ich permanent lebe, einfach länger braucht, um alles wieder zu flicken. Eine Erkältung (ZUT) und ein Darmvirus (Iran) haben mich dann zu langsameren Einheiten und viel Sauna und Dampfbad eingeladen und ich habe diese Phase auch genutzt. Erst als ich wieder genug Kraft und Energie verspürte, machte ich mich wieder auf längere und höhere Einheiten. Die ersten zwei Wochen war ein Krampf, doch dann merkte ich richtig, wie sich das Niveau wieder um eine Stufe angehoben hatte und ich plötzlich mit einer neuen Kraft die Berge hoch,- und runterrennen konnte.
Ich glaube, im Organismus laufen so viele unbewusste Prozesse der Regeneration und Heilung ab, die wir bewusst nicht mitbekommen und auch nicht steuern können. Wenn man dann wieder zu früh mit einem harten Training anfängt, wirkt sich das meistens negativ aus und Stressfrakturen oder ähnliche Verletzungen haben leichtes Spiel. Aber es ist auch sehr schwer, diesen Zeitpunkt abzupassen. Der Kopf will ja meistens schon wieder viel früher loslaufen, als dass der Körper schon wieder alles aufgebaut hat. Eine clevere und einfach Diagnostik wäre hierfür sicherlich die Herzfrequenzvariabilität (http://www.hrv24.de/index.htm), aber muss man aber täglich zu festeglegten Zeiten die HF messen und das kann auch schon wieder nervig werden ....
Also, lieber leichte Sportarten als Alternative wählen und auf den Körper hören: wenn man sich quält und einfach nicht im Flow ist, dann lieber einen Gang zurückschalten, entspannen und abwarten, wie man sich am nächsten oder übernächsten Tag fühlt.

Transylvania Race:
Start: 5. September um 6:00 Uhr 
http://www.lostworldsracing.com/transylvania-trail-traverse/

Die weiteren Races für 2015 sind auch schon in der Planung....
März 2015: THE RACE http://www.therace.ie/
Mai 2015: Trans Atlas Marathon http://transatlasmarathon.com/
Juli 2015: Bottom Up Africa Kilimanjaro ruft!

Presseecho:
26. September 2014: NDR Talkshow
http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/ndr_talk_show/NDR-Talk-Show,sendung285182.html

Hier noch eine kleine Auswahl aktueller Bilder, die von Christoph Gramann  @ Morteratsch Gletscher aufgenommen wurden! 






Donnerstag, 24. Juli 2014

Bottom Up Iran - Mit Glück und Schwefel vom Kaspischen Meer auf den Mount Damavand

Was für ein Abenteuer! Was für eine fremde Kultur! Welch freundliche Menschen! Und wie dünn die Luft doch auf 5671 Metern ist! Ich bin gesund und voller neuer Eindrücke wieder zurück vom Bottom Up Iran und kann nur sagen: der Iran ist ein sehr schönes Land zum Reisen. Aber was noch viel interessanter ist: ich habe noch nie zuvor eine solche kompromisslose Gastfreundschaft erlebt! Unsere neuen Freunde vom Damavand Alpine Club haben vor Ort alles für uns organisiert: Bikes, Übernachtung, Essen und zum Schluss noch Sightseeing in Teheran. Somit konnten wir unser Projekt problemlos starten und bis zum Ende durchführen.
Alessio und Beppe waren von Milano in den Flieger gestiegen und wir trafen uns in Istanbul, um gemeinsam weiter zu fliegen. Kurz bevor der Flieger iranischen Boden berührte, machten sich die Frauen daran, Kopftuch und eine weite Tunika über Kopf und Körper zu stülpen. Kopftuch und ich wussten von Beginn an, dass wir keine Freunde werden sollten, aber wir arrangierten uns. Es war ein komisches Gefühl, diese Art "Uniform" zu tragen. Die Einreise verlief problemlos und schon bald erblickten wir unsere neuen Freunden Mahsa und Majid mit einem grossen Schild " Bottom Up Climbs"! Die Begrüssung war sehr herzlich und erfrischend. Draussen vor dem Airport erwartete uns dann der Rest der Gruppe: Ahmad und Alirezah samt 2 Autos voll bis oben gefüllt mit Bikes, Campingequipment und anderen wichtigen Dingen!
Unser Weg führte uns gefühlte 6 Stunden über Bergpässe und Autobahnen mit Zwischenstopp zum Frühstück an einem schönen Fluss inmitten eines grossen Klettergebiets, bis zum Kaspischen Meer nach Charal in Ahmad's Ferienhaus. Mit Wassermelone und Keksen wurden wir verpflegt und konnten unsere Gedanken für einen kurzen Moment sortieren. Bei ca 35 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit gar nicht so einfach. Ich brütete unter meinem Kopftuch wie ein Backofen. Erst der erlösende Satz von Mahsa, im privaten Haushalt könnte ich das Kopftuch auch abziehen, liess mich befreit aufatmen. Um sicher zu gehen, fragte ich, ob ich mit dem Nicht-Tragen des Kopftuchs irgendwelche religiösen Gefühle verletzten würde. Daraufhin lachten alle und meinten, dass das Tragen des Kopftuchs in der Öffentlichkeit in erster Linie eine Anordnung des Staates sei. Also runter mit dem Tuch! Im weiteren Verlauf des Tages verursachten wir ein riesen Chaos auf der Terrasse, da wir unser gesamtes Material sortierten und die Bikes für die kommenden Tage startklar machten. Gegen frühen Abend gab's die erste Stärkung mit Chicken-Kebap vom eigenen Grill, dazu Lavash (dünnes Brot), Tomaten und ein Yoghurtgetränk! Alle sassen auf dem Boden und es herrschte eine freundliche Stimmung. Wir drei Bottom Up Climbers waren allerdings so müde von der Reise, dass uns fast die Augen zugefallen wären!

1. Etappe: Samstag, 12. Juli 2014: Mahmud Abad - Bajyang: 85 Km Bike
Um 4 Uhr war bereits Tagwache und Abfahrt um 7:00 Uhr! Was wir in drei Stunden gemacht haben? Die Autos beladen, das Haus abgeschlossen und diskutiert. Keine Ahnung was so lange gedauert hat, aber an Verzögerungen sollten wir uns noch gewöhnen! Nach gut einer Stunde Fahrt samt Frühstückstopp an einem Picknickplatz im Nirgendwo, kamen wir endlich am Startpunkt in Mahmud Abad am Kaspischen Meer an. Die Sonne brannte und der Schweiß rann beim blossen Nichtstun am Körper runter. Nach einem Fotostudio-ähnlichen Fotoshooting (auch daran sollten wir uns noch gewöhnen!!) in diversen Posen, konnten wir endlich in die Pedale treten und unser Projekt starten! Mit einem breiten Grinsen im Gesicht bretterten wir los und fühlten uns frei wie Vögel! Meine Vorstellung der Strassenverhältnisse deckte sich nicht ganz mit der Realität: wir fuhren auf einer breiten Hauptstrasse mit viel Verkehr, welcher eine Menge Abgase verursachte! Wo war ich denn hier gelandet?! Oder besser gesagt: was hatte ich erwartet?! Und diese Strasse war so lang und so flach und so heiss, dass ich nicht daran denken wollte, den ganzen lieben langen Tag dort zu verbringen!
Zu unserer Gruppe zählten fortan Mahsa, Ahmad und Mehmed, zudem Alirezah und Majid, die mit zwei Autos als Begleitung und Support dabei waren. Das Tempo wechselte zwischen schnell und langsam und pendelte sich dann bei ca 10 km/h ein! Was für ein Schneckentempo! Wir dachten eigentlich daran, zwischen 20-25 km/h fahren zu können! Doch schnell wurde uns klar, dass wir mit einer grossen Gruppe unterwegs waren und die einfach andere Regeln hat. Wir übten uns fortan in " Zen- Mediation" und freuten uns einfach über diese tolle Möglichkeit, das Bottom Up im Iran durchführen zu können! Kleinere Stopps mit Zwischenverpflegung durch unser Supportteam erleichterten die strapaziöse Fahrt bei dschungelartiger Hitze! Ich hatte das Gefühl, die Reifen würden durch die Hitze auf dem Asphalt schmelzen!
Als ich gerade in eine Art Flowzustand gekommen war ( ich sage absichtlich "Art" Flowzustand, da in diesem Fall die Dauer der Belastung nicht zu einem Flow führte, da die Intensität zu gering war! ) stoppte die Gruppe! Alirezah verteilte Stirnlampe, blinkende Rücklichter und Warnwesten! Fragezeichen machten sich auf unserem Gesicht breit! " Tunnel! Long and dark tunnel ahead"! Aha, eine Tunnelfahrt mit sechs Leuten als Kolonne! Was war daran so gefährlich?! Die Frage erübrigte sich, nachdem wir in die ersten Meter des Tunnels gefahren waren: lang, stockfinster, enge Straße, Gegenverkehr und ein Gestank wie in einer Flugzeugturbine. Da wir in einer Gruppe bleiben sollten, war das Tempo sehr langsam. Ich dachte kurzzeitig, dass ich die Balance aufgrund fehlender Geschwindigkeit verlieren würde! Als uns dann die ersten Trucks laut hupend überholten und dabei Lärm wie ein Güterzug verursachten, wurde mir doch ganz anders zumute! Mit voller Konzentration fixierte ich den Vorderfahrer immer auf Unebenheiten oder andere unerwartete Gegenstände auf der Fahrbahn gefasst. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir endlich das Licht am Ende des Tunnels! Der Stress stand uns ins Gesicht geschrieben. Unsere Hoffnung, dass das vielleicht der einzige Tunnel gewesen sei, wurde schnell zerschlagen. Ab Nummer sieben habe ich aufgehört zu zählen. Und mit der Zeit gewöhnten wir uns auch an die kurzzeitige Smogvergiftung.
Die Kilometerangaben, die uns mitgeteilt wurden, stimmten nicht immer so ganz und ließen uns gerade auf den letzten 10 Kilometern etwas verzweifeln. Als wir dann endlich das Etappenziel Bayjang erreichten, waren wir doch vor, vom Bike absteigen zu können. An einem idyllisch gelegenen Camping mit Mineralquellenpool verbrachten wir die erste Nacht im Freien. Doch vorher noch einen Sprung den in Pool gefüllt mit Mineralwasser aus den Felsen! Welch Erfrischung! Männer und Frauen badeten selbstverständlich getrennt! Wir genossen es, uns auszuruhen und labten uns an einem feinen Dinner bestehend aus Reis und Kebab! Relativ zeitnah schlummerten wir dann auch schon im Zelt, da wir vom Tag doch ziemlich müde waren.
2. Etappe: 13. Juli 2014: Bayjang bis nach Polour/ Federation auf 2200m. Bike 45km
Nach einem guten Frühstück ging dann die Packerei wieder von vorne los: alles musste zurück in die Autos gebracht werden, was wiederum viel Zeit in Anspruch nahm. Währenddessen flickte Ahmad "Einstein" noch mein Hinterrad, in das ich mir anscheinend einen Platten gefahren hatte. In Nullkommanix war der Reifen wieder wie neu! Die zweite Bikeetappe erfuhr nach den ersten zwei fiesen Tunnels und einem kleinen Sturz von mir (ja , die Klickpedalen sind halt nicht jedermanns Sache...) einen Stopp in einem gigantischen Canyon! Nach einem 20-minütigen Fußmarsch erreichen wir schließlich ein in Stein gemeissteltes Wandgemälde mit Königen! Welch dramatischer Schauplatz für eine solche uralte Überlieferung.
Nach diesem kurzen Sightseeing traten wir kräftig in die Pedale, da wir Strecke gut machen wollten. Unser hohes Tempo hatte zur Folge, dass wir schon bald alle abgehängt hatten und für die folgenden 10km alleine unterwegs waren. Nach einer langgezogenen Steigung hielten wir im nächsten Dorf an und warteten dort ca. eine Stunde. In dieser Zeit wurden wir immer verrückter und Alessio und ich starteten ein Wettsingen mit dem Lied "Drei Chinesen mit dem Kontrabass": Ich auf Deutsch, Alessio auf Italienisch. Die Lachkrämpfe waren vorprogrammiert...
Nachdem die Gruppe dann wieder komplett war, ging es in einem anderen Modus weiter: um Mahsa weiterhin die Chance zu geben, das Projekt aus eigener Kraft schaffen zu können, beschlossen wir, ihr fortan beim radeln Unterstützung zu geben: wir schoben sie während der Fahrt von hinten an und wechselten uns der Reihe nach ab. Somit hatte jeder immer für einen kurzen Abschnitt die Aufgabe, mit einer Hand zu schieben. Die anderen schauten, dass die Strasse einigermassen frei war. Als ich in einem Tunnel an der Reihe war und kein Auto in Sichtweite war, schob ich Mahsa ein wenig zu kräftig von hinten an, verlor das Gelichgewicht, kam wieder nicht aus den Klickpedalen raus und stürzte auf sie. Zum Glück war auch in dieser Situation ein Schutzengel dabei und hielt für uns die Strasse frei... Einige blaue Flecken an Beinen und Armen zierten fortan meinen Körper... Der Tag schritt voran und für die 45km brauchten wir dann gute acht Stunden. Da sich Beppes Läuferknie auch wieder bemerkbar machte, überredeten wir die Gruppe, die Nacht auf 2200m in der Alpine Federation zu verbringen und nicht wie geplant, auf 3000m aufzusteigen. In Polur kauften wir dann den halben Tante Emma Laden leer und machten uns auf den Weg in die Alpine Club Federation. Ein großzügiges Steinhaus empfing uns mit warmen Duschen, Kochmöglichkeit und bequemen Betten. Wiederum galt es, die Autos komplett auszuräumen und das Equipment zu verstauen. Es blieb kaum eine Minute Zeit, mal durchzuatmen oder den Moment mit Ruhe genießen zu können. Schon wurde ich von Mahsa an die Hand genommen, um das Abendessen mit ihr vorzubereiten. Der Damavand thronte derweil mit einem leichten Wolkenkleid über uns. Müde und erschöpft sind wir dann vor Schlußpfiff des Endspiels der Fußball-WM ins Bett gefallen. Und ich träumte, dass Deutschland Weltmeister würde....

3. Etappe: 14. Juli 2014: Polour- Gossafarah (3000hm) ca. 20km und 1200hm. 
Am Morgen wurde mein Traum Wirklichkeit und Deutschland war tatsächlich durch ein 1:0 Weltmeister geworden! Ich jubelte das ganze Zimmer zusammen! Nach einem kurzen Frühstück ging es dann in einem anderen Modus weiter: Mahsa und ich sollten schon ca. 30 Minuten vor der Gruppe starten, damit alle in etwas im gleichen Tempo am Zwischenziel ankommen sollten. Ich beschloss zudem, das Bike gegen meine Laufschuhe einzutauschen und wollte Mahsa laufend begleiten. Für die ersten zwei Kilometer ging das auch noch gut, aber dann war das Tempo für mich einfach wieder so langsam, dass ich einfach weitergelaufen bin, ohne zu warten. Und diese neue Ruhe und Stille um mich herum hat mich ziemlich geerdet. Ich lief einfach ganz alleine auf der Bergpassstrasse, genoss die Aussicht und brachte meine Gedanken zur Ruhe. Am vereinbarten Treffpunkt wartete ich auf die anderen und wir stiegen fortan mit Wanderschuhen gemeinsam in Richtung Camp 1 auf 3000 Metern. Die Sonne brannte auch auf dieser Höhe noch ohne Gnade und der Schweiß lief uns nur so am Rücken runter. Eine weitere Diskussion kostete uns ziemlich viel Kraft, da wir die Gruppe überzeugen mussten, eine Nacht auf 3000 Metern zu verbringen. Die Iraner haben ein etwas anderes Verständnis von Akklimatisierung oder vielleicht sind sie einfach anders gebaut. Für uns war klar, dass wir unsere Körper nicht innerhalb von 24 Stunden 3000 Höhenmeter Differenz aussetzen konnten. Somit übernachteten wir auf dieser Höhe und machten tagsüber noch eine kleine Akklimatisierungswanderung um 500hm rauf und runter.

4. Etappe: 15. Juli 2014: Gossafarah-Bargah Sevom (4200hm), ca. 3km und 1200hm 
Früh starteten wir an diesem Morgen, um möglichst lange auf dem nächsten Camp zu akklimatisieren. Bereits um 6 Uhr kletterten wir Meter um Meter in die Höhe und erfreuten uns des schönen Wetters. Im Tal lag ein breites Nebelband und weiter oben bei uns schien die Sonne bereits kräftig. Zwischen 3700-3800 m spürten wir alle die Höhe mit leichtem Schwindel, welcher sich dann aber ab der nächsten Höhenstufe wieder aus dem Staub machte. Dieses Phänomen ist schon interessant und erstaunt mich immer wieder. Zwischen einer gewissen Höhe leide ich immer für eine gewisse Zeit und dann passt sich der Körper wieder an und alles ist wieder gut. Die Akklimatisierung auf 4200m verlief dann für mich nicht so toll, da sich nach einem weiteren Höhenauf,- und abstieg von 500hm Kopfschmerzen mit Unwohlsein bemerkbar machten. Die Nacht war dementsprechend unruhig. Jede Stunde wachte ich auf und fragte mich, ob ich wirklich den Gipfel schaffen kann.

5. Etappe: 16. Juli 2014: Bargah Sevom - Mt. Damavand Gipfel (5671hm), 4km und 1500hm
Um 4 Uhr setzte sich die Gruppe aus Alessio, Beppe, Alirezah, Mahsa, Ahmad, Majid1 und Majid2, sowie noch ein paar weiteren Bergsteigern und mir in Bewegung. Sobald ich die Bewegung im Körper spürte, kam auch die Energie und Zuversicht zurück und meine Beine spulten ihr bekannten Programm ab. Mein Kopf war bis ca. 5300hm noch wie betäubt und taute erst kurz vor dem Gipfel auf. Zudem war es klirrend kalt und ich verfluchte mich innerlich dafür, dass ich meine dicken Handschuhe wieder einmal daheim vergessen hatte. Schwefelwolken auf den letzten 200hm vor dem Gipfel erschwerten das Laufen. Aber Dank des Tipps von unseren einheimischen Freunden, eine Limette zu kauen und den Saft auf Lippen und Wangen zu verteilen, war die stinkende Schwefelattacke einigermassen zu ertragen. Und dann standen wir auch schon auf dem Gipfel. Ganz unspektakulär - ohne grosse Kletterei, ohne Steigeisen, ohne Seil und andere Hilfsmittel. Wir waren alle sehr überwältigt und unglaublich froh, es geschafft zu haben. Nach und nach trudelten die anderen ein und wir verweilten gut 30 Minuten dort oben, um einige viele Fotos zu machen.
Mir wurde es dann durch den Schwefel zu übel und wir sahen zu, dass wir schleunigst vom Gipfel, vom Schwefel und aus der Höhe raus kamen.
Im Abstieg schwärmten wir dann einfach nur noch von dem reibungslosen Verlauf unserer Reise und dass einfach alles gepasst hatte.
Man sollte in den Flow des Landes eintauchen, die Leute respektieren, aber an manchen Stellen auf die eigenen Bedürfnisse achten.
Unser Fazit: Der Iran ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die Menschen sind mehr als freundlich und unglaublich hilfsbereit. Die Landschaft ist faszinierend und die Weite und Einsamkeit ist überwältigend.

Bottom Up Iran: Der erste von sieben Vulkanen ist geschafft. 2015 wartet der Kilimanjaro auf uns: auch in Tanzania werden wir vom tiefsten Punkt starten und den Vulkan mit Bike und Turnschuhen erobern!