Montag, 1. Februar 2016

Science Blog No. 1: Ist Ultralaufen gefährlich?

Ich habe mir überlegt, meinem Blog einen kleinen wissenschaftlichen Touch zu verpassen und möchte Euch 1x pro Woche über ein interessantes Thema aus Sportwissenschaft und /oder Medizin in verständlichen Häppli (Häppchen) zu erklären. Man lernt ja nie aus! 
Viel Spass! 


Schadet Ultralaufen?

Nun wurde eine Studie aus dem Jahr 2009 veröffentlicht, die Extremsportler beim Transeuropalauf untersuchte. Die Wissenschaftler der Uni Ulm (rund um Dr. Uwe Schütz) wollte wissen, wie sich die enorme Belastung von 4.487,7km auf den menschlichen Organismus auswirkte. Dazu begleiteten die Forscher die Athletinnen und Athleten aus 12 Nationen zwischen dem 19.4. und 21.6.2009. Als diagnostische Instrumente hatten die Forscher ein mobiles MRT-Gerät zur Verfügung, sowie Diagnostika zur Untersuchung der Blut,- und Urinwerte, sowie Hautfaltendickemessung und Temperatur.
Die Strecke führe von der süditalienischen Hafenstadt Bari bis zum Nordkap und die 67 SportlerInnen mussten täglich Strecken zwischen 44 und 95km zurücklegen. 45 von ihnen kamen im Ziel an.
Was wurde untersucht?
Die Gelenke der Athletinnen und Athleten standen im Vordergrund; zudem wurde das Gehirn auf Veränderungen untersucht.
Was kam heraus?
Auf den ersten 1500km kam es zu Störungen im Knorpel in allen Gelenken. Je mehr Kilometer die Läufer aber zurücklegten, desto mehr erholte sich der Gelenkknorpel, was die Wissenschaftler sehr erstaunte. Zudem habe sich der Durchmesser der Achillessehne vergrößert. Bei lediglich zwei Sportlern kam es im späteren Rennverlauf zu Ermüdungsbrüchen.
Und wie reagierte das Hirn?
Nach der gut 2-monatigen körperlichen Belastung nahm das Volumen der grauen Hirnsubstanz im Durchschnitt um 6,1% ab. (Die graue Hirnsubstanz ist ein wichtiger Bestandteil des Zentralnervensystems. Die Menge der grauen Substanz bestimmt zum Teil die menschliche Intelligenz). Manche Hirnbereiche waren mehr, andere weniger stark betroffen. Die Forscher geben aber Entwarnung: nach acht Monaten zeigte eine erneute MRT-Aufnahme eine vollständige Erholung der Hirnmassen. Man erklärt sich die Reduzierung durch ein allgemein sehr hohes Energiedefizit und Rückgang der körpereigenen Fettreserven und somit einer Energieeinsparmaßnahme seitens Hirn.
Oder auch anders formuliert: die Hirnareale, die gerade nicht gebraucht werden, werden „abgeschaltet“. Ganz nach dem Motto: „Form follows function- Form folgt der Funktion“.

Mein Fazit: Der menschliche Körper ist zu weit mehr in der Lage, als wir denken und kann sich den neuen Gegebenheiten immer wieder anpassen. Das, was gefördert wird, verbessert sich; das, was vernachlässigt wird, verkümmert. Aber es verschwindet nicht- es ist nur auf „Stand by“. Deswegen: wenn die Motivation und Begeisterung für eine Sache stimmt, kann man auch mit 90 Jahren noch Chinesisch lernen!



Mittwoch, 27. Januar 2016

Hongkong 100 Race: Mein 1. DNF!!

HK100: mein 1. DNF (did not finish)

Hongkong ist wirklich eine wahnsinns-Stadt, das muss ich gleich mal zu Anfang loswerden! Es brodelt in den verschiedenen Stadtteilen und alles geht wirklich sehr friedlich und ruhig zur Sache. Eine Weltmetropole mit einer unglaublich tollen Berglandschaft in der Countryside! Meer, Strand, Berge und Big City- ein toller Mix, der jede Reise zum Erlebnis macht. Im Januar sind die Temperaturen mit 15-20 Grad normalerweise auch recht angenehm. Doch in den vergangenen Tagen sollte das Thermometer auf unter Null Grad abfallen. Das ist seit 59 Jahren nicht mehr passiert. Hätte ich das vorher gewusst, wären die Shorts, Flip-Flops und Sonnenhüte daheim geblieben. Mit fast 100% Luftfeuchtigkeit fühlen sich Null Grad auch schnell mal an wie minus 15! Dementsprechend bibberten und zitterten wir durch die Strassen von Honkong und das Sightseeing fiel nur in abgespeckter Form aus.
Für den Renntag am Samstag fielen die Temperaturen dann auch nochmals und ein starker Sturm machte das Übel noch schlimmer. Aber mal zurück zum Start....

Die unerwartete Kälte traf auch Süd-China, meinem ersten Stopp in der Manufaktur von UVU. Und da es dort  in den Gebäuden keine Heizungen gibt, waren die 4 Tage ungemütlich kalt. Zudem lag dichter Smog über der Stadt und diese Kombination brachte mein Immunsystem dann zum Stillstand: Husten und eine laufende Nase waren die Vorboten von dem, was noch kommen sollte. Ich war aber positiv und sicher, dass ich bis zum Rennen wieder fit sein würde. Die Meetings bei UVU in der Manufaktur von KTC Limited waren sehr spannend und eindrücklich. Ich hatte mir vorher noch nie solch detaillierten Gedanken darüber gemacht, wie viele Arbeitsschritte benötigt werden, um eine Outdoorjacke,- oder Hose herzustellen. In den ersten Schritten werden die Stoffe in vielen Schritten auf Fehler sondiert. Dann kommen die Schnittmuster, die meistens mit einem Laser geschnitten und mit einem speziellen Tape auf den Nähten geklebt werden. Die Logos und Klettverschlüsse, Reissverschlüsse, Knöpfe usw. werden in weiteren Abläufen hergestellt und eingearbeitet. Wasserdichte Stoffe werden auf Haltbarkeit geprüft. Daunenjacken! Das ist der Wahnsinn, wie diese per Hand in einem extra Daunenraum hergestellt werden. Die Daunen werden pro Kammer abgefüllt und werden dann in die Jackendesigns eingefüllt- exaktes Arbeiten ist gefragt, wenn eine Jacke nachher eine Füllung von 800 Gramm reinster Daune haben soll!!
Die letzten Arbeitsschritte drehen sich dann um die Verpackung und Versendung in alle nur erdenklichen Länder, da bei KTC sehr sehr viele qualitativhochwertige Marken produziert werden (Mammut, Haglöfs, Norröna, O`Neill, Gore, usw).

Da ich für UVU ja schon die Damenkollektion produzieren konnte, wurden die einzelnen Änderungen und Wünsche, die ich bei den Prototypen immer wieder verbessert habe, in ein ziemlich anderes Licht gerückt. Es geht nun in den finalen Schritten um das Farbkonzept , so dass Mitte des Jahres vier tolle Teile der Running-Series auf den Markt kommen! Seid gespannt!
Weniger gespannt sein müsst Ihr zu meinem Rennverlauf beim HK 100 Ultra:
Das Glück hatte ich bei dieser Reise leider irgendwo auf der Strecke gelassen,  da sich der Husten in eine fiese Bronchitis entwickelte und ich gefragt wurde, ob ich Kettenraucherin sei. Ich bereitete trotzdem alles vor und ging mit meinem Teamkollegen Tim Wortmann und Michael Wardian an den Start. Bei eisiger Kälte und Sturmböen, die schon einzelne Bäume umgerissen hatte, haderte ich sehr mit mir, ob es Sinn machen würde, zu starten. Doch dann waren auch schon die letzten 10 Minuten bis zum Start angebrochen und ich ließ es auf einen Versuch ankommen. Auf den ersten 11 km lief es noch ganz gut und ich kam als 5. Frau über die Checkpunkt-Linie. Doch dann wurde es hügeliger und meine Bronchien stiegen aus. Da war leider nichts mehr zu machen und ich wurde bergauf langsam wie eine Schnecke. Es war dann eine ziemlich harte Entscheidung, die ich kurz vor Checkpunkt 2 getroffen habe. Wenn man sich selber aus einem Rennen nehmen muss, muss man auch selber mit dieser Entscheidung leben können. Es ist auch anders, wenn man eine Verletzung hat, die jeder von aussen sofort beurteilen und kategorisieren kann, wie z.B. ein Beinbruch. Aber eine Bronchitis sieht man ja nicht (man hört sie nur) und jeder leidet anders. Bei solchen Erkrankungen gibt es ja auch keine „offiziellen“ Personen, die einen aus dem Rennen nehmen. Somit lag die Entscheidung nur bei mir. Bei CP2 standen mir die Tränen in den Augen, als meine Nummer durchgestrichen wurde. Aber so schnell durfte ich dann doch nicht aufgeben, da CP2 völlig in der Wildnis lag und es keinen Rücktransport gab. Also 7km weiter zu CP3, wo ich dann in einen  Bus einsteigen und zum Hotel fahren konnte. Nach so einer Entscheidung dauert es dann eine Weile, bis man erkennt, dass es aber absolut richtig gewesen ist.
Ich komme wieder, keine Frage! Die Trails waren so anders als in den Alpen, dass sich eine Rückkehr trotz der vielen 1000 Stufen und Asphalt auf jeden Fall lohnt. Meinen Trainingsplan werde ich für die kommenden Monate etwas umstellen und regelmässig ins Hallenbad gehen, um mein Immunsystem zu fordern. Ich glaube, dass diese reine und pure Luft hier auf 1800 Metern nicht immer von Vorteil ist. Ich bin gespannt, ob sich die Schwimmhäute, die sich bilden werden, aerodynamisch auf meinen Laufstil auswirken werden.
Ein Highlight war sicherlich noch, dass ich die Damen von Racing the Planet getroffen habe, die ihr headoffice mitten in Hongkong haben! 
Fazit: „Wenn du etwas machst, dann mach es richtig!“
Mein Musiktipp: THE NOTWIST "CHEMICALS" https://www.youtube.com/watch?v=Jt4rxLHuoVM 









Freitag, 8. Januar 2016

Runners Night in Köln 26.2.16

Braucht Ihr noch einen Motivations-Kick für ein neues Projekt? Wollt Ihr wissen, wie man ein großes Abenteuer plant? Möchtet Ihr erfahren, wie man in 8 Stunden 32 Minuten auf das Dach Afrikas rennt, oben ankommt, völlig fit und fertig ist und dann auch noch in einem Affenzahn runter läuft, nur um zu sehen, wie schnell man sein kann? Klingt das verrückt? Ist es vielleicht auch. Aber ich sehe es eher so: solange man etwas nicht versucht, weiß man nicht, ob es möglich ist.
Kommt zur RUNNERS NIGHT nach Köln und lasst Euch von meinem Vortrag mit Film und Fotos inspirieren: Freitag, 26. Februar 2016, Start 17:00 Uhr, Sartorius Saal. http://www.runnersnight.de Karten gibts im VVK und an der Abendkasse. Mit von der Partie sind auch Prof. Dr. Ingo Froböse, Robert Wimmer, Matthias Marquardt, Dirk Schmidt und Gastgeber Andreas Butz.

Für alle Engadiner:
Am 13. Februar 2016 startet mein Vortrag "Hakuna Matata" im Gemeindesaal Celerina um 20:00 Uhr. Eintritt frei (Kollekte). Zudem gibt es am 23. und 30. Januar Bildervorträge von und mit Strapazi-Leiter Toni Spirig. www.strapazis.ch

Mittwoch, 6. Januar 2016

Genug der Ruhe, es wird wieder gelaufen!

Das neue Jahr ist da und ich melde mich mit neuer Energie zurück. Die Ruhephase ist beendet und meine Batterien sind wieder aufgefüllt. Der Speicher konnte entleert und neue Ideen eingepflanzt werden. Ich scharre mit den Hufen und ziehe wieder über die Trails von St. Moritz. Und das ungewöhnlich warme Wetter im Herbst hat neue Motivation geweckt. Bis vor ein paar Tagen konnte ich noch auf fast allen meinen Lieblingstrails hier im Tal rennen und springen und musste mich nur vor Eisplatten in Acht nehmen, um nicht ungewollt eine doppelte Flammersfeldsche Rolle hinzulegen. Nach dem letzten Race im September wollte ich die Laufschuhe ja eigentlich an den Nage hängen und mich meiner Karriere als Tennisspielerin oder Balletttänzerin widmen. Die kleine gelbe Filzkugel und auch mein Tennispartner mussten ganz schön dran glauben und die Tennishalle ist nun durch einige neue Beulen und Dellen im Dach verziert. Die Ballettlehrerin war immer sehr freundlich zu mir doch grosses Talent hat sie nie gesehen. Somit war ich dann eigentlich doch sehr froh, als mir die ersten zarten Kilometer auf den Haustrails wieder Freude machten. Einfach mal ganz easy losrennen, schauen, wie der Körper sich anfühlt, ja keinen Stress produzieren. Und es funktionierte. Schnell musste ich mir wieder ein neues Paar Laufschuhe kaufen und surfte im Internet bereits schon wieder auf dem DUV Kalender. Doch wie ist so etwas möglich? Pure Erholung. Zeit nehmen. Runterfahren. Ausruhen. Was anderes machen. Es gibt sicherlich noch 1000 andere Bezeichnungen, die das Gefühl beschreiben, wenn man sich erholt. Alle wissen, was es ist. Und es ist so herrlich. Man muss es nur machen. Nichts-Tun. Das kleine 1x1 des Rumhängen und gammeln. Es ist allerdings vielleicht genauso schwer und anstrengend, wie einen Marathon zu laufen und sich auf diesen mit einem 12 Wochen-Plan vorzubereiten. 
Wenn der Kopf ausgeruht ist, dann sind auch fiese schnelle oder lange und harte Trainingseinheiten machbar. Dann kann man diese abspulen und sich motivieren und bis zum letzten Kilometer das Tempo hochhalten. 4200 Treppenstufen auf 2km Länge sind dann plötzlich in 35 Minuten geschafft. Und? War es anstrengend? Nö! Zweimal 800 Höhenmeter über die gleiche Strecke rauflaufen? Kein Problem (mal von der schlaflosen Nacht abgesehen!). Sprints auf der 400m-Bahn bei minus 8 Grad und Schnee? Super, was mach ich lieber! 
Ich finde unseren menschlichen Organismus immer wieder phänomenal. Ein solch präzise abgestimmtes Zusammenspiel aus Funktionen ist wunderhaft! Deswegen: pflegt euch an allen Ecken, Kanten und Rundungen und seid lieb zu eurem Körper. Diesem Wunder! 
Und mit diesem Wunderwerk geht es am 23. Januar beim Hong Kong 100 an den Start. Das kam ein bisschen überraschend und die Einladung liegt auch erst 6 Wochen zurück. Deswegen sind meine Erwartungen relativ bescheiden. Die Reise ist verbunden mit einem Meeting bei meinem Bekleidungssponsor UVU Racing in China. Ihr dürft gespannt sein: die Kollektion soll noch in diesem Frühjahr fertig werden! 
Mein Musiktipp: 




 

Montag, 19. Oktober 2015

Schwanensee der Erholung

Nach dem Transalpine Run wollte ich alles machen, außer Laufen. Schon während des Wettkampfes sprach ich immer wieder davon, meine Karriere als Tennisspielerin wieder aufzugreifen und die neue Steffi Graf zu werden. Ich denke, dass die Erholung nach intensiven Wettkämpfen entscheidend ist, so dass man dem ganzen System die Chance gibt, sich zu regenerieren. Wenn man immer weiter machen würde, ohne die notwendige Regenerationszeit einzuplanen, könnte dies zu einem Zusammenbruch des mentalen und körperlichen Organismus führen. Dies ist nur eine Theorie und bei vielen scheint das überhaupt nicht der Fall zu sein. Die sind anscheinend so robust, dass sie alle zwei drei Wochen Ultra-Wettkämpfe oder Marathons laufen können. Ein gutes Körpergefühl ist sicherlich hilfreich, zu erkennen, was man braucht. Doch wie bekomme ich ein gutes Körpergefühl? Durch einen achtsamen Umgang mit Stärken und Schwächen. Solange alles gut läuft, braucht man sich keine Gedanken zu machen. Erst wenn der Körper mal schwächelt und eine Grippe vielleicht den normalen Tagesablauf unterbricht, stellt man fest, dass man krank ist und "ja gar nicht mehr gesund". Erst wenn man krank ist, stellt man fest, wie schön es ist, wenn man gesund ist. Sollten wir also unsere Aufmerksamkeit mehr auf den gesunden Zustand richten und uns häufiger fragen, was hält mich eigentlich gesund? Welche Ressourcen zur Verfügung stehen, ist ganz individuell.
Für mich war es auf jeden Fall klar, dass ich nach dem Transalpine Run erstmal nicht laufen wollte. Und so habe ich mal wieder einen Ausflug mit dem Mountainbike gemacht und in Livigno die großen Sprungschanzen bestaunt. Das könnte was für den nächsten Sommer werden, haha! Und dann bin ich in den Ballettunterricht gegangen. Neben Damen und Mädchen und jungen Männern in feinen schwarzen Strumpfhosen stand ich an der Stange in Laufhose und Laufshirt (auch in Schwarz!). Als Bewegungstalent wollte ich wissen, wie schwer Ballett wirklich ist. Schweißperlen auf meiner Stirn und ein heftiger Muskelkater in meinen Waden waren das Resultat. Als Angeberin versuchte ich dann bei einer der nächsten Übungen das Bein im Stand gestreckt mit der Hand neben mein Ohr zu führen. Ein heftiger Schmerz zuckte in meinen Adduktoren und ließ mich zu Boden sinken: Schwanensee sieht wohl anders aus, aber Spaß gemacht hat es trotzdem!
Und somit widmete ich mich lieber wieder leichten Läufen durch das herbstlich bunt-gefärbte Engadin mit maximaler Länge von 12km. Natürlich fängt man an zu zweifeln, ob man jemals wieder diese "Weltklasse-Ausdauer" bekommt. Und ich bin überzeugt, dass man nach so einer Phase stärker wird als zuvor. Denn nur wenn der Körper sich richtig erholen kann, kann man wieder volle Leistung bringen. In diesem Sinne: Abwarten und Tee trinken (zb. YOGI Tee mit Sprüchen auf dem Teebeutel).
Mein Musiktipp: BOY "We were here" https://www.youtube.com/watch?v=mMdNOiplpEc




Mittwoch, 16. September 2015

Transalpine Run: Eine ehrliche Geschichte einer ehrlichen Krise

Plötzlich sind es nur noch zwei Wochen bis zum Start vom Transalpine Run – ein Wettkampf über acht Etappen einmal über die Alpen mit satten 16000 Höhenmetern im Aufstieg und 280km Wegstrecke. Eben war ich noch zuversichtlich und rauschte auf einer Welle der Glücksgefühle daher, die mir das Abenteuer auf den Kilimanjaro beschert hat. Ganze zwei Wochen konnte ich einen Rausch erfahren und war einfach nur stolz auf meine Leistung. Und jetzt das komplette Gegenteil. Ich habe keine Zeit, diese Phase bewusst wahrzunehmen und ihr Raum und Platz zu geben, da der nächste Wettkampf ansteht. Beim Transalpine Run startet man in 2er-Teams und kann sich Freund und Leid teilen. Mit Tim Wortmann habe ich einen starken Laufpartner ausgewählt, der auch für das UVU-Team läuft. Zusammen haben wir schon einige Wettkämpfe erlebt und Trainings rund um und auf die Zugspitze mit Überquerung des Jubi-Grats unternommen. Die zwei Wochen, die mir noch bleiben, fülle ich mit kurzen intensiven Trainings, in der Hoffnung, auf Touren zu kommen. Durch meine Erfahrung, die ich bei den Etappenwettkämpfen (4 Deserts und Manaslu Trail Race) sammeln konnte, fühle ich mich sicher, dass ich an acht Tagen meine Leistung abrufen kann. Doch was kann ich gegen diese Müdigkeit und Schwere im Kopf machen? Auch da rede ich mir ein, dass ich diese Krise mental verarbeiten kann, sobald ich mal die Startlinie überquert habe. Es sollte aber alles anders kommen.
In Oberstdorf ist der Startort und dort treffe ich neben Tim auch noch Maggy Martini und Rainer Jahn, die das zweite Team für UVU-Racing in der Master-Mixed- Kategorie stellen. Die Stimmung ist ausgelassen und ein Scherz nach dem anderen macht die Runde. Zudem treffen wir auch noch den Big Boss der UVU-Family, Gerhard Flatz, der uns nochmals kräftig einheizt und uns an das Motto von UVU erinnert: Immer nur du gegen dich- You versus You! Ok, alles klar. Dann kann es ja losgehen. Doch ich merke, dass mir meine Gedanken einen Strich durch die Rechnung machen und sich einfach keine Freude einstellen will. Die Nervosität ist anders als sonst und ich mache mir ernsthafte Sorgen, ob das alles überhaupt Sinn macht.
Nach einer schlaflosen Nacht und einer ungewohnten Nervosität (ok, nervös bin ich immer, aber dieses Mal war es eine passive Nervosität) sehe ich mich am Start stehen umringt von hunderten Läuferinnen und Läufern, die alle diesen Wahnsinns-Blick im Gesicht haben, da sie wissen, dass das, was in den nächsten acht Tagen passieren wird, einfach der Wahnsinn ist! Nur bei mir legen sich die Sorgenfalten auf die Stirn. Ich rede mir positiv zu und motiviere mich. Als der Startschuss endlich erfolgt, fühle ich mich wie im Alptraum. Meine Beine rennen zwar, doch es kommt keine Energie durch den Körper. Schon auf den ersten zwei Kilometern fange ich an zu keuchen, zu schnaufen, Tränen laufen mir über das Gesicht. Ich will aufhören, will aussteigen, habe plötzlich überhaupt kein Selbstvertrauen und Reserven mehr. Ich spreche mit Tim und teile ihm mit, wie es mir geht. Er reagiert gelassen und souverän wie ein alter Psychologe mit Schwerpunkt Hysterie. Das Motto ist „Was geht, das geht, und wenn es nicht geht, dann geht es nicht!“ So einfach fast Psychologe in spe Sigmund Tim Freud die Situation zusammen. Ich schleife mich den ersten Anstieg hoch, werde von allen überholt, habe das Gefühl, nicht von der Stelle zu kommen und spüre null Energie in meinem Körper. Wie soll ich das acht Tage durchstehen? Die Landschaften fliegen an mir vorbei, ich nehme alles wie durch eine Wolkendecke wahr. Denke nur daran, wie es sich anfühlt, wenn ich im Ziel bin. Ist es das, was mich antreibt, weiterzumachen?
Mit der Hoffnung, dass die nächsten Tage besser werden, starte ich in die zweite Etappe. Mühsam und schwer wie blei reiht sich ein Schritt an den nächsten. Erst als es etwas technischer wird, wache ich auf und nehme mich wahr. Beim Downhill kommen alte Stärken zurück, ich werde zuversichtlicher. Ist es das, was mich antreibt, weiterzumachen?
Die kommenden Tage werden leider nicht besser, eher schlechter. Ich knicke mehrfach um, doch die Bänder halten es aus. Ich fluche vor mich hin, bekomme die Energie nicht in die Beine, sie steckt fest zwischen Herz und Hirn. Wenn der Kopf leer ist, gibt es keine Ausreden mehr. Dann gibt es keinen Reserveschirm, den man öffnen kann. Keine Kompensationsmechanismen. Ich gehe in Gedanken die letzten Wochen durch:  die Bilder des Speed Run auf den Kilimanjaro, dieses unglaubliche Abenteuer, welches mir soviel neue Kraft und Energie gegeben hat, rauschen an mir vorbei. Die zwei Wochen danach, wo ich auf einer Welle des puren Glücks gesurft bin. Dass sich mein Körper holen würde, was er braucht, war mir klar. Nur dass es gerade zum Zeitpunkt des TAR kommen müsste, war äußerst ungünstig. Wenn die Balance zwischen Anspannung und Erholung nicht mehr stimmt, wenn ein System überfordert ist, kann man keine Höchstleistung erbringen. An der Grenze des Machbaren lote ich also aus, wozu mein Körper noch in der Lage ist. Die Beine laufen, der Kopf ist leer, stehenbleiben kann ich nicht, da ich nun einmal losgelaufen bin. Wir werden in der Mixed Kategorie den 5. Platz belegen. Einmal mehr wird mir klar, wie unwichtig die Platzierung ist. Viel wichtiger ist, dass Körper und Geist eine Einheit bilden. Nur dann kann ich meine Leistung gepaart mit Spass und Freude abrufen.
Mein Fazit aus den acht Tagen Alpenüberquerung: „Nur eine entspannte Athletin ist eine gute Athletin.“ 

Mein großer Dank geht an meinen super Teamkollegen Tim Wortmann und an die beiden UVU Panther Maggy und Rainer- ein besseres Team konnte ich mir nicht vorstellen. Ich danke unserem Sponsor Viking für die Möglichkeit, beim TAR zu starten und UVU für die unsagbar unschlagbare Bekleidung. Oat King hat mich mit wertvollen Proteinen versorgt. Mit den Julbo Brillen konnte ich meine Augen gut schützen und blasenfreies Laufen Dank Compressport-Socken! MEGA!

Mein Musiktipp:






Freitag, 31. Juli 2015

Speedrun auf den Kilimanjaro- neuer Weltrekord!

Ich wollte einfach mal wissen, wie es sich anfühlt, bis auf 5895 Meter zu rennen. Nicht 5895 Meter in der Ebene, sondern in der Vertikalen! Und da ich schon mal in Tansania wegen des Bottom Up Projekts war und vom Speedrun wusste, wollte ich es ausprobieren. Das war meine Intention. Mehr nicht. Ich wollte nicht schneller als jemand anderes sein. Ich wollte einfach mal wissen, wie es sich anfühlt und wie schnell ich sein kann. Das ist mein Motto bei meinen Projekten. Solange ich nicht selber gespürt, gefühlt, erfahren habe, kann ich nicht mitreden. Ich möchte selber Erfahrungen machen und lernen. -
Gelernt habe ich bei meinem Speerdun ziemlich viel. Wofür ich diese Erfahrungen brauche? Ich weiß es nicht; aber ist einfach ein irres Gefühl, etwas geschafft zu haben, was einem lange im Kopf herumgeschwirrt ist. Und dabei geht es nicht um den super-mega-Erfolg. Es geht darum, etwas auszuprobieren und zu sehen, ob die Theorie in die Praxis umsetzbar ist.

Um 5:20 Uhr drücke ich den Startknopf auf meiner GPS-Uhr. Das Licht der Lupine-Stirnlampe brennt auf Vollgas und der stockfinstere Regenwald wird durch den Schein der Lampe hell erleuchtet. Der Weg vom Umbwe-Gate auf ca. 1600m schlängelt sich durch dichten, saftigen Regenwald. Die Luft ist feucht und mein Atem wird im Schein der Lampe sichtbar. Da ich die letzten 10 Tage nicht gerannt bin, dauert es eine Weile, bis sich mein Körper auf das Tempo einstellt und die Bronchien sich öffnen. Ich schnaufe laut durch Mund und Nase- ein beruhigendes Geräusch, das fast alle anderen Geräusche des Waldes übertönt. Ich möchte nicht wissen, welches Tier mich beobachtet und fokussiere meine Gedanken extrem auf das Licht und meinen Atem. Nach gut einer Stunde wird es langsam hell und das Morgengrauen zeichnet sich ab. Nach 1h47min erreiche ich bereits das erste Camp auf ca. 2900m. Ich freue mich sehr, als mir ein Guide entgegenspringt und ich meine Wasserflaschen auffüllen kann. Mittlerweile ist es richtig hell geworden und ich kann die Stirnlampe ausschalten. Schnell noch einen Bissen in den Oat King-Riegel mit Erdnussbuttergeschmack und dann im steten Rhythmus weiter bis zum Barranco-Camp auf ca. 3900m. In diesem Camp sind ziemlich viele Wanderer unterwegs und putzen sich die Zähne oder schlürfen den ersten Kaffee- es ist ja gerade mal 8:30! Verwunderte Blicke werden auf mich gerichtet und hier und da höre ich ein "Die ist aber schnell unterwegs!". Das gibt mir Motivation und freut mich total! Auch in diesen Camp werde ich von einem Guide mit Wasser und Riegeln versorgt. Weiter geht es im alpinen Gelände über schmale Geröllpfade, bis ich die dritte Vegetationszone erreiche: die Wüstenlandschaft ruft Erinnerungen der Gobiwüste wach und viele Bilder von meinem damaligen Wettkamapf springen aus meinem Gedächtnis in die Realität. Nun wird es langsam etwas zäher und ich merke, dass die Luft dünner wird. Das Atmen wird anstrengender und ich zwinge mich, viel zu trinken und viele einfache Kohlenhydrate zu mir zu nehmen. Am Arrow Glacier Camp wartet Jeff, Koch und Guide der Agentur Trekili auf mich mit meiner warmen Daunenjacke, die ich auch sofort anziehe. Noch einen Oat King und die Gummibärchen einpacken, Getränk auffüllen, tief durchatmen: die letzten 1000hm liegen vor mir. Was auf mich wartet: schönste Felskletterei im einfach Schwierigkeitsgrat. Diese letzten 1000hm wären ein richtiger Genuss: aber auf über 5000hm ist alles nicht mehr so einfach. Jeder Schritt ist konzentriert und setze Hände und Füsse wohl überlegt auf den Felsen, um Kraft zu sparen. Nach jedem grösseren Schritt oder Zug muss ich Pause machen und kräftig atmen. Ich erhole mich aber immer recht schnell, was mir Hoffnung und Motivation macht. Mit den folgenden Höhenmetern merke ich, dass es in meinem Kopf anfängt zu "spinnen". Es sind keine Kopfschmerzen, dafür ein Gefühl, als hätte ich eine Flasche Gipfelschnaps getrunken. Ich konzentriere mich noch mehr und esse noch mehr Gummibärchen und trinke nach allen 50 Schritten etwas Carbodrink. Ich hätte nicht gedacht, dass dieser letzte Teil alles von mir fordern würde. Ich denke daran, aufzuhören, möchte mich hinsetzen und pausieren. Doch eine innere Stimme treibt mich an und als ich auf die Uhr schaue, stelle ich fest, dass nur noch 400hm bis zum Gipfel fehlen. Ich komme mir vor wie eine Schnecke: langsam, aber stetig schiebe ich mich höher bis ich schließlich den Krater erreiche. Ich bin überglücklich. Die folgenden 400 Meter sind flach, dann geht es nochmals für ca. 150hm rauf über übelstes Geröll. Ich rutsche mit jedem Schritt immer wieder nach unten und muss mich extrem auf die Stöcke stützen. Durch diese enorme Anstrengung bin ich nach jedem Schritt extrem erschöpft. Von oben höre ich den Guide Matt rufen: "Wonderwomen, go! You do a great job!" Ich höre diese Worte zwar, aber wirklich aufnehmen kann ich sie nicht mehr. Ich frage mich, was ich hier gerade eigentlich mache. Ich denke nicht ans Umdrehen. Aber der Sinn fehlt mir gerade. Ich bin so ehrlich zu mir. Alles ist so klar und jegliche Gedanken sind verflogen. So muss sich ein alter Yogi fühlen, wenn er nach 20 Jahren Meditation wieder aufwacht. Ich denke an meinen verstorbenen Freund und Begleiter Basti, der so oft in großen Höhen auf 8000hm unterwegs war. Ich kann seine Erfahrungen und Erlebnisse nun besser verstehen, da ich gerade etwas ähnliches erlebe. Die letzten Meter bis zum Gipfel sind flach, doch mein Gang ähnelt einem Betrunkenen. Ich bin oben. Ich stoppe die Zeit: 8h32min. Ich bin schnell gewesen. Ich haben einen neuen Rekord aufgestellt. Einen Weltrekord. Doch das ist mir im Moment überhaupt nicht wichtig. Ich habe neue Erfahrungen gesammelt, die ich unbedingt erleben wollte. Nun will ich nur noch runter. So schnell es geht diese Höhe wieder verlassen. Es dauert seine Zeit bis ich mich wieder normal fühle: als ich auf 3000hm im Mweka-Camp ankomme, ist der "Hangover-Zustand" vergangen. Ich fühle meine alte Stärke und beginne nun richtig schnell zu rennen. Ein Hochgefühl rast durch meinen Körper und ich fliege nur so über die Wege. Ich tauche wieder ein in den Regenwald und laufe, als würde ich mich gerade auf dem Warm-Up-Teil befinden. Um 18 Uhr 18 erreiche ich das Gate und werde von meinen Freunden mit Bier und Sekt begrüsst. Ich bin fix und fertig, fühle mich aber großartig. Dass ich einen neuen Rekord aufgestellt habe, ist mir in dem Moment überhaupt nicht wichtig. Ich nehme nur eine große Dankbarkeit und Freude in mir wahr, die ich mit keinem teilen kann, außer mit mir selber.

Einen riesen Dank an Trekili für die Organisation und an all meine Sponsoren, Freunde und alle, die mitgefiebert und mir best vibrations geschickt haben!








Sonntag, 12. Juli 2015

Live Tracking in Tansania!

Das Projekt Bottom Up Climbs Seven Volcanic Summits startet!
Auf gehts nach Tansania: Vom 16.7.-19.7. gehts mit dem Bike quer durch`s Land. Vom 20.7.-23.7. mit den Wanderschuhen bis auf den Gipfel des Kilimanjaro. Am 25.7. starte ich dann nochmals, um die 4200 Höhenmeter und 20 Kilometer in einer Tour zu bewältigen. Schauen wir, wie schnell ich sein kann.
Zudem besuche ich die Projekte der Stiftung Paulchen Esperanza, für die ich hier einige Laptops und Turnschuhe sammeln konnte! Vielen Dank nochmals an alle!

LIVE TRACKING:
www.bottomupclimbs.org


You can follow us in Tanzania when we start the Bottom Up Climbs Africa! From the 16th-19th of July we are cycling through the country. From the 20th-23rd of July we will climb Mount Kilimanjaro. On the 25th I will try to run up Kilimanjaro in a speed style!

LIVE TRACKING:
www.bottomupclimbs.org

Montag, 29. Juni 2015

Laptops und Turnschuhe für Tansania

Mein Projekt "Bottom Up Climbs" führt mich dieses Jahr nach Afrika. In Tansania steht der höchste Vulkan Afrikas- der Kilimanjaro mit 5895 Metern. Auf meiner Reise auf den afrikanischen Kontinent werde ich auch die Projekte der Stiftung Paulchen Esperanza besuchen, für die ich als Botschafterin tätig bin. In Daressalam wird seit Jahren ein Waisenhaus betreut und mit Spenden versorgt. Ganz konkret suche ich für die Kinder gebrauchte, aber noch funktionsfähige Laptops samt Ladekabel. Wer noch ein solches Gerät im Schrank stehen hat, kann es mir gern bis zum 10. Juli zukommen lassen (Tel. 079 433 67 02). Zudem würde ich gerne auch Joggingschuhe mitbringen: wer hat noch ein Paar, das nicht mehr gebraucht wird?

ABGABE: Im SKISERVICE CORVATSCH Silvaplana-Surlej oder Pontresina bis 10. Juli 2015!
Herzlichen Dank!

Alle Infos zur Stiftung auf:

Wer unser Projekt finanziell unterstützen möchte, kann dies auf der Crowdfunding - Seite machen: es warten tolle Angebote für die Spender!


Dienstag, 2. Juni 2015

Weltmeisterschaft in Annecy: Was für ein Rennen!!

Es ist schon eine sehr große Ehre, im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft an den Start zu gehen. Bei meinem Debüt war ich doch schon sehr aufgeregt und hatte absolut keine Ahnung, was mich erwarten sollte. Über 300 Athletinnen und Athleten aus 38 Nationen waren gemeldet und trafen am Donnerstagabend bei der Eröffnungszeremonie zusammen. Jede Nation hatte eine Fahnenträgerin und durfte stolz die Nationalfarben präsentieren. Der äußere Rahmen war zwar etwas kleiner als bei einer Fußballweltmeisterschaft, aber es war mindestens genauso aufregend und spannend! Bevor wir zur Präsentation auf die Bühne gebeten wurde, gab es ein tolles Showprogramm mit verschiedenen Beiträgen aus Gleitschirmpiloten, Fallschirmspringern, Hochspringern und Breakdance. Es war ein tolles Gefühl sich als Mannschaft dem Publikum zu präsentieren. Mit einem Dinner wurde der Abend dann nicht allzu spät beendet. Am Freitag stand die Entspannung an oberster Stelle. Zudem bekamen wir beim technischen Meeting noch die letzten Informationen und Tipps zur Strategie. Hier hörte ich besonders interessiert zu, da sich meine Erfahrung mit Ultra-Trail-Races noch sehr in Grenzen hält. Unser Betreuer Jens gab uns mit auf den Weg, dass der Wettkampf erst nach der Hälfte richtig losgehen würde und wir uns die Kräfte gut einteilen sollten. Da ich mir eigentlich nie eine Renntaktik überlege, wollte ich es dieses Mal versuchen!
Um 3:30 Uhr war der Start in der Dunkelheit des Morgens und im Licht eines kleinen Feuerwerks rannten wir los, als wenn wir auf der Flucht wären. Ich ließ mich mitreißen und stürmte die ersten flachen Kilometer in einem sehr schnellen Tempo mit. Die ersten 1250 Meter im Anstieg ließ ich es dann etwas langsamer angehen. Die Trails im Wald waren sehr matschig und rutschig, da es in der Nacht geregnet hatte. Bei einer unglücklichen Landung in einem Matschloch dachte ich schon, mein Rücken sei gebrochen! Aber nach einer kurzen Schockphase war alles wieder gut. Der Morgen graute, als ich den ersten Verpflegungscheckpunkt erreichte. Unser Betreuerteam hatte alles gut vorbereitet und ich konnte schnell meine Flaschen auffüllen und wieder weiter rennen. Die Tatsache, dass ich als 24.igste im Rennen war, machte mir doch etwas Sorge. Das Teilnehmerfeld war bei den Männern und Frauen einfach enorm stark und die Weltelite rannte ein ganzes Stück weiter vor mir. Ich motivierte mich weiterhin durchzuhalten, da ja auf 85km so einiges passieren kann. Beim ersten Abstieg merkte ich dann schnell, dass mein Kopf nicht im Downhill-Modus war, da ich jeden Schritt wohl überlegte. Das machte ich total langsam und ich wurde von einigen vielen Läuferinnen überholt, was mich total wahnsinnig machte. Beim nächsten Aufstieg konnte ich dann wieder an allen vorbeiziehen, was mich überraschte, da uphill normalerweise nicht so meine Stärke ist. Somit verlor ich trotzdem bestimmt 10 Plätze. Ab Kilometer 60 oder 65 merkte ich dann, dass ich langsam in Fahrt kam und auch das es bergabwärts besser lief. Aus unserem Team wurde ich dann von Ildiko bei Kilometer 70 überholt... wir motivierten uns gegenseitig, da es ihr auch nicht so gut ging.
Beim dritten Verpflegungsposten füllte ich wie gewohnt alle Flaschen auf und das Team agierte sehr eingespielt: "Willst du noch was essen? Magst Du Käse oder ein Brot? Und was ist das überhaupt für ein Keks, den du da immer isst (Bärenbiberli!)..." Ich schüttete mir das Iso-Geträn rein, zusammen mit einem Booster und dann noch eine Salztablette. Irgendetwas in dieser Mischung passte nicht ganz zusammen und fortan rannte ich mit übelsten Seitenstechen weiter. Ich glaube, diese Mixtur hat meinen Magen etwas überreizt... Wieder etwas gelernt.
Der letzte Aufstieg zog sich dann lange hin. Die Steigung war nicht sonderlich schwer, aber ich marschierte trotzdem lieber in einem schnellem Tempo, als dass ich joggen wollte.  Vielleicht würde ich so eine Steigung beim nächsten Mal auch joggen: da fehlt es mir einfach an Erfahrung! Nachdem ich den letzten Gipfel passiert hatte, ging es 750 Meter auf ca. 4 Km Länge bergab. Der Trail war anspruchsvoll, eigentlich ganz mein Favorit! Und siehe da: die Beine rollten wie von selbst, die Stöcke gaben mir den notwendigen Halt und der Kopf war frisch! Wer hätte das gedacht. Und so konnte ich noch ein paar Damen überholen, da ich es einfach krachen ließ. Der letzte Kilometer in Richtung Ziel war dann auch nochmal super schnell, da ich schon wieder eine Dame im Rücken hatte. Mit einer Zeit von 11 Stunden 21 Minuten und dem 21.igsten Rang bin ich eigentlich sehr zufrieden. Wäre es bergab besser gegangen, wäre eine schnellere Zeit möglich gewesen. Und dann hätten wir vielleicht auch noch den 3. Platz in der Teamwertung geholt. Somit wurden wir Frauen "nur" 4.- was die internationalen Fachbeobachter aber allemal erstaunte!
Im Zielbereich habe ich mich dann erstmal am Buffet durchgegessen, da mein Körper doch etwas hungrig war. Dazu noch einen fetten Oat King Riegel mit Erdnussbutter und die Regeneration konnte starten!
Es war ein tolles Erlebnis und das deutsche Team ist eine super Gruppe von lustigen Leuten. Als ehemalige Handballerin bin ich es ja gewohnt, in einer Mannschaft zu "spielen". Ich habe mich gefreut, dass ich bei einer Weltmeisterschaft dabei sein konnte. Ich habe viel gelernt und hoffe, dass ich diese Erfahrung in die nächsten Wettkämpfe einbauen kann. Vielen Dank an alle, die mitgefiebert haben. Fotos folgen!
Resultate:
http://maxirace.livetrail.net/classement.php?course=monde