Anne-Marie Flammersfeld

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Donnerstag, 24. Juli 2014

Bottom Up Iran - Mit Glück und Schwefel vom Kaspischen Meer auf den Mount Damavand

Was für ein Abenteuer! Was für eine fremde Kultur! Welch freundliche Menschen! Und wie dünn die Luft doch auf 5671 Metern ist! Ich bin gesund und voller neuer Eindrücke wieder zurück vom Bottom Up Iran und kann nur sagen: der Iran ist ein sehr schönes Land zum Reisen. Aber was noch viel interessanter ist: ich habe noch nie zuvor eine solche kompromisslose Gastfreundschaft erlebt! Unsere neuen Freunde vom Damavand Alpine Club haben vor Ort alles für uns organisiert: Bikes, Übernachtung, Essen und zum Schluss noch Sightseeing in Teheran. Somit konnten wir unser Projekt problemlos starten und bis zum Ende durchführen.
Alessio und Beppe waren von Milano in den Flieger gestiegen und wir trafen uns in Istanbul, um gemeinsam weiter zu fliegen. Kurz bevor der Flieger iranischen Boden berührte, machten sich die Frauen daran, Kopftuch und eine weite Tunika über Kopf und Körper zu stülpen. Kopftuch und ich wussten von Beginn an, dass wir keine Freunde werden sollten, aber wir arrangierten uns. Es war ein komisches Gefühl, diese Art "Uniform" zu tragen. Die Einreise verlief problemlos und schon bald erblickten wir unsere neuen Freunden Mahsa und Majid mit einem grossen Schild " Bottom Up Climbs"! Die Begrüssung war sehr herzlich und erfrischend. Draussen vor dem Airport erwartete uns dann der Rest der Gruppe: Ahmad und Alirezah samt 2 Autos voll bis oben gefüllt mit Bikes, Campingequipment und anderen wichtigen Dingen!
Unser Weg führte uns gefühlte 6 Stunden über Bergpässe und Autobahnen mit Zwischenstopp zum Frühstück an einem schönen Fluss inmitten eines grossen Klettergebiets, bis zum Kaspischen Meer nach Charal in Ahmad's Ferienhaus. Mit Wassermelone und Keksen wurden wir verpflegt und konnten unsere Gedanken für einen kurzen Moment sortieren. Bei ca 35 Grad und 80% Luftfeuchtigkeit gar nicht so einfach. Ich brütete unter meinem Kopftuch wie ein Backofen. Erst der erlösende Satz von Mahsa, im privaten Haushalt könnte ich das Kopftuch auch abziehen, liess mich befreit aufatmen. Um sicher zu gehen, fragte ich, ob ich mit dem Nicht-Tragen des Kopftuchs irgendwelche religiösen Gefühle verletzten würde. Daraufhin lachten alle und meinten, dass das Tragen des Kopftuchs in der Öffentlichkeit in erster Linie eine Anordnung des Staates sei. Also runter mit dem Tuch! Im weiteren Verlauf des Tages verursachten wir ein riesen Chaos auf der Terrasse, da wir unser gesamtes Material sortierten und die Bikes für die kommenden Tage startklar machten. Gegen frühen Abend gab's die erste Stärkung mit Chicken-Kebap vom eigenen Grill, dazu Lavash (dünnes Brot), Tomaten und ein Yoghurtgetränk! Alle sassen auf dem Boden und es herrschte eine freundliche Stimmung. Wir drei Bottom Up Climbers waren allerdings so müde von der Reise, dass uns fast die Augen zugefallen wären!

1. Etappe: Samstag, 12. Juli 2014: Mahmud Abad - Bajyang: 85 Km Bike
Um 4 Uhr war bereits Tagwache und Abfahrt um 7:00 Uhr! Was wir in drei Stunden gemacht haben? Die Autos beladen, das Haus abgeschlossen und diskutiert. Keine Ahnung was so lange gedauert hat, aber an Verzögerungen sollten wir uns noch gewöhnen! Nach gut einer Stunde Fahrt samt Frühstückstopp an einem Picknickplatz im Nirgendwo, kamen wir endlich am Startpunkt in Mahmud Abad am Kaspischen Meer an. Die Sonne brannte und der Schweiß rann beim blossen Nichtstun am Körper runter. Nach einem Fotostudio-ähnlichen Fotoshooting (auch daran sollten wir uns noch gewöhnen!!) in diversen Posen, konnten wir endlich in die Pedale treten und unser Projekt starten! Mit einem breiten Grinsen im Gesicht bretterten wir los und fühlten uns frei wie Vögel! Meine Vorstellung der Strassenverhältnisse deckte sich nicht ganz mit der Realität: wir fuhren auf einer breiten Hauptstrasse mit viel Verkehr, welcher eine Menge Abgase verursachte! Wo war ich denn hier gelandet?! Oder besser gesagt: was hatte ich erwartet?! Und diese Strasse war so lang und so flach und so heiss, dass ich nicht daran denken wollte, den ganzen lieben langen Tag dort zu verbringen!
Zu unserer Gruppe zählten fortan Mahsa, Ahmad und Mehmed, zudem Alirezah und Majid, die mit zwei Autos als Begleitung und Support dabei waren. Das Tempo wechselte zwischen schnell und langsam und pendelte sich dann bei ca 10 km/h ein! Was für ein Schneckentempo! Wir dachten eigentlich daran, zwischen 20-25 km/h fahren zu können! Doch schnell wurde uns klar, dass wir mit einer grossen Gruppe unterwegs waren und die einfach andere Regeln hat. Wir übten uns fortan in " Zen- Mediation" und freuten uns einfach über diese tolle Möglichkeit, das Bottom Up im Iran durchführen zu können! Kleinere Stopps mit Zwischenverpflegung durch unser Supportteam erleichterten die strapaziöse Fahrt bei dschungelartiger Hitze! Ich hatte das Gefühl, die Reifen würden durch die Hitze auf dem Asphalt schmelzen!
Als ich gerade in eine Art Flowzustand gekommen war ( ich sage absichtlich "Art" Flowzustand, da in diesem Fall die Dauer der Belastung nicht zu einem Flow führte, da die Intensität zu gering war! ) stoppte die Gruppe! Alirezah verteilte Stirnlampe, blinkende Rücklichter und Warnwesten! Fragezeichen machten sich auf unserem Gesicht breit! " Tunnel! Long and dark tunnel ahead"! Aha, eine Tunnelfahrt mit sechs Leuten als Kolonne! Was war daran so gefährlich?! Die Frage erübrigte sich, nachdem wir in die ersten Meter des Tunnels gefahren waren: lang, stockfinster, enge Straße, Gegenverkehr und ein Gestank wie in einer Flugzeugturbine. Da wir in einer Gruppe bleiben sollten, war das Tempo sehr langsam. Ich dachte kurzzeitig, dass ich die Balance aufgrund fehlender Geschwindigkeit verlieren würde! Als uns dann die ersten Trucks laut hupend überholten und dabei Lärm wie ein Güterzug verursachten, wurde mir doch ganz anders zumute! Mit voller Konzentration fixierte ich den Vorderfahrer immer auf Unebenheiten oder andere unerwartete Gegenstände auf der Fahrbahn gefasst. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir endlich das Licht am Ende des Tunnels! Der Stress stand uns ins Gesicht geschrieben. Unsere Hoffnung, dass das vielleicht der einzige Tunnel gewesen sei, wurde schnell zerschlagen. Ab Nummer sieben habe ich aufgehört zu zählen. Und mit der Zeit gewöhnten wir uns auch an die kurzzeitige Smogvergiftung.
Die Kilometerangaben, die uns mitgeteilt wurden, stimmten nicht immer so ganz und ließen uns gerade auf den letzten 10 Kilometern etwas verzweifeln. Als wir dann endlich das Etappenziel Bayjang erreichten, waren wir doch vor, vom Bike absteigen zu können. An einem idyllisch gelegenen Camping mit Mineralquellenpool verbrachten wir die erste Nacht im Freien. Doch vorher noch einen Sprung den in Pool gefüllt mit Mineralwasser aus den Felsen! Welch Erfrischung! Männer und Frauen badeten selbstverständlich getrennt! Wir genossen es, uns auszuruhen und labten uns an einem feinen Dinner bestehend aus Reis und Kebab! Relativ zeitnah schlummerten wir dann auch schon im Zelt, da wir vom Tag doch ziemlich müde waren.
2. Etappe: 13. Juli 2014: Bayjang bis nach Polour/ Federation auf 2200m. Bike 45km
Nach einem guten Frühstück ging dann die Packerei wieder von vorne los: alles musste zurück in die Autos gebracht werden, was wiederum viel Zeit in Anspruch nahm. Währenddessen flickte Ahmad "Einstein" noch mein Hinterrad, in das ich mir anscheinend einen Platten gefahren hatte. In Nullkommanix war der Reifen wieder wie neu! Die zweite Bikeetappe erfuhr nach den ersten zwei fiesen Tunnels und einem kleinen Sturz von mir (ja , die Klickpedalen sind halt nicht jedermanns Sache...) einen Stopp in einem gigantischen Canyon! Nach einem 20-minütigen Fußmarsch erreichen wir schließlich ein in Stein gemeissteltes Wandgemälde mit Königen! Welch dramatischer Schauplatz für eine solche uralte Überlieferung.
Nach diesem kurzen Sightseeing traten wir kräftig in die Pedale, da wir Strecke gut machen wollten. Unser hohes Tempo hatte zur Folge, dass wir schon bald alle abgehängt hatten und für die folgenden 10km alleine unterwegs waren. Nach einer langgezogenen Steigung hielten wir im nächsten Dorf an und warteten dort ca. eine Stunde. In dieser Zeit wurden wir immer verrückter und Alessio und ich starteten ein Wettsingen mit dem Lied "Drei Chinesen mit dem Kontrabass": Ich auf Deutsch, Alessio auf Italienisch. Die Lachkrämpfe waren vorprogrammiert...
Nachdem die Gruppe dann wieder komplett war, ging es in einem anderen Modus weiter: um Mahsa weiterhin die Chance zu geben, das Projekt aus eigener Kraft schaffen zu können, beschlossen wir, ihr fortan beim radeln Unterstützung zu geben: wir schoben sie während der Fahrt von hinten an und wechselten uns der Reihe nach ab. Somit hatte jeder immer für einen kurzen Abschnitt die Aufgabe, mit einer Hand zu schieben. Die anderen schauten, dass die Strasse einigermassen frei war. Als ich in einem Tunnel an der Reihe war und kein Auto in Sichtweite war, schob ich Mahsa ein wenig zu kräftig von hinten an, verlor das Gelichgewicht, kam wieder nicht aus den Klickpedalen raus und stürzte auf sie. Zum Glück war auch in dieser Situation ein Schutzengel dabei und hielt für uns die Strasse frei... Einige blaue Flecken an Beinen und Armen zierten fortan meinen Körper... Der Tag schritt voran und für die 45km brauchten wir dann gute acht Stunden. Da sich Beppes Läuferknie auch wieder bemerkbar machte, überredeten wir die Gruppe, die Nacht auf 2200m in der Alpine Federation zu verbringen und nicht wie geplant, auf 3000m aufzusteigen. In Polur kauften wir dann den halben Tante Emma Laden leer und machten uns auf den Weg in die Alpine Club Federation. Ein großzügiges Steinhaus empfing uns mit warmen Duschen, Kochmöglichkeit und bequemen Betten. Wiederum galt es, die Autos komplett auszuräumen und das Equipment zu verstauen. Es blieb kaum eine Minute Zeit, mal durchzuatmen oder den Moment mit Ruhe genießen zu können. Schon wurde ich von Mahsa an die Hand genommen, um das Abendessen mit ihr vorzubereiten. Der Damavand thronte derweil mit einem leichten Wolkenkleid über uns. Müde und erschöpft sind wir dann vor Schlußpfiff des Endspiels der Fußball-WM ins Bett gefallen. Und ich träumte, dass Deutschland Weltmeister würde....

3. Etappe: 14. Juli 2014: Polour- Gossafarah (3000hm) ca. 20km und 1200hm. 
Am Morgen wurde mein Traum Wirklichkeit und Deutschland war tatsächlich durch ein 1:0 Weltmeister geworden! Ich jubelte das ganze Zimmer zusammen! Nach einem kurzen Frühstück ging es dann in einem anderen Modus weiter: Mahsa und ich sollten schon ca. 30 Minuten vor der Gruppe starten, damit alle in etwas im gleichen Tempo am Zwischenziel ankommen sollten. Ich beschloss zudem, das Bike gegen meine Laufschuhe einzutauschen und wollte Mahsa laufend begleiten. Für die ersten zwei Kilometer ging das auch noch gut, aber dann war das Tempo für mich einfach wieder so langsam, dass ich einfach weitergelaufen bin, ohne zu warten. Und diese neue Ruhe und Stille um mich herum hat mich ziemlich geerdet. Ich lief einfach ganz alleine auf der Bergpassstrasse, genoss die Aussicht und brachte meine Gedanken zur Ruhe. Am vereinbarten Treffpunkt wartete ich auf die anderen und wir stiegen fortan mit Wanderschuhen gemeinsam in Richtung Camp 1 auf 3000 Metern. Die Sonne brannte auch auf dieser Höhe noch ohne Gnade und der Schweiß lief uns nur so am Rücken runter. Eine weitere Diskussion kostete uns ziemlich viel Kraft, da wir die Gruppe überzeugen mussten, eine Nacht auf 3000 Metern zu verbringen. Die Iraner haben ein etwas anderes Verständnis von Akklimatisierung oder vielleicht sind sie einfach anders gebaut. Für uns war klar, dass wir unsere Körper nicht innerhalb von 24 Stunden 3000 Höhenmeter Differenz aussetzen konnten. Somit übernachteten wir auf dieser Höhe und machten tagsüber noch eine kleine Akklimatisierungswanderung um 500hm rauf und runter.

4. Etappe: 15. Juli 2014: Gossafarah-Bargah Sevom (4200hm), ca. 3km und 1200hm 
Früh starteten wir an diesem Morgen, um möglichst lange auf dem nächsten Camp zu akklimatisieren. Bereits um 6 Uhr kletterten wir Meter um Meter in die Höhe und erfreuten uns des schönen Wetters. Im Tal lag ein breites Nebelband und weiter oben bei uns schien die Sonne bereits kräftig. Zwischen 3700-3800 m spürten wir alle die Höhe mit leichtem Schwindel, welcher sich dann aber ab der nächsten Höhenstufe wieder aus dem Staub machte. Dieses Phänomen ist schon interessant und erstaunt mich immer wieder. Zwischen einer gewissen Höhe leide ich immer für eine gewisse Zeit und dann passt sich der Körper wieder an und alles ist wieder gut. Die Akklimatisierung auf 4200m verlief dann für mich nicht so toll, da sich nach einem weiteren Höhenauf,- und abstieg von 500hm Kopfschmerzen mit Unwohlsein bemerkbar machten. Die Nacht war dementsprechend unruhig. Jede Stunde wachte ich auf und fragte mich, ob ich wirklich den Gipfel schaffen kann.

5. Etappe: 16. Juli 2014: Bargah Sevom - Mt. Damavand Gipfel (5671hm), 4km und 1500hm
Um 4 Uhr setzte sich die Gruppe aus Alessio, Beppe, Alirezah, Mahsa, Ahmad, Majid1 und Majid2, sowie noch ein paar weiteren Bergsteigern und mir in Bewegung. Sobald ich die Bewegung im Körper spürte, kam auch die Energie und Zuversicht zurück und meine Beine spulten ihr bekannten Programm ab. Mein Kopf war bis ca. 5300hm noch wie betäubt und taute erst kurz vor dem Gipfel auf. Zudem war es klirrend kalt und ich verfluchte mich innerlich dafür, dass ich meine dicken Handschuhe wieder einmal daheim vergessen hatte. Schwefelwolken auf den letzten 200hm vor dem Gipfel erschwerten das Laufen. Aber Dank des Tipps von unseren einheimischen Freunden, eine Limette zu kauen und den Saft auf Lippen und Wangen zu verteilen, war die stinkende Schwefelattacke einigermassen zu ertragen. Und dann standen wir auch schon auf dem Gipfel. Ganz unspektakulär - ohne grosse Kletterei, ohne Steigeisen, ohne Seil und andere Hilfsmittel. Wir waren alle sehr überwältigt und unglaublich froh, es geschafft zu haben. Nach und nach trudelten die anderen ein und wir verweilten gut 30 Minuten dort oben, um einige viele Fotos zu machen.
Mir wurde es dann durch den Schwefel zu übel und wir sahen zu, dass wir schleunigst vom Gipfel, vom Schwefel und aus der Höhe raus kamen.
Im Abstieg schwärmten wir dann einfach nur noch von dem reibungslosen Verlauf unserer Reise und dass einfach alles gepasst hatte.
Man sollte in den Flow des Landes eintauchen, die Leute respektieren, aber an manchen Stellen auf die eigenen Bedürfnisse achten.
Unser Fazit: Der Iran ist auf jeden Fall eine Reise wert. Die Menschen sind mehr als freundlich und unglaublich hilfsbereit. Die Landschaft ist faszinierend und die Weite und Einsamkeit ist überwältigend.

Bottom Up Iran: Der erste von sieben Vulkanen ist geschafft. 2015 wartet der Kilimanjaro auf uns: auch in Tanzania werden wir vom tiefsten Punkt starten und den Vulkan mit Bike und Turnschuhen erobern!


















































Mittwoch, 9. Juli 2014

Bottom Up Mount Damavend

Das nächste Projekt startet:
Vom 10.7.-19.7. reise ich in den Iran, um dort das Bottom Up-Projekt in die zweite Runde zu schicken.
Im letzten Jahr bin ich ja bereits vom tiefsten auf den höchsten Punkt der Schweiz gerannt. Jetzt heißt es, vom tiefsten auf den höchsten Punkt des Irans zu laufen.
Der Mount Damavend misst eine Höhe von 5671 Metern und ist der höchste Vulkan Asiens.
Am Samstag, 12.7. starten Giuseppe, Alessio und ich mit dem Mountainbike am Kaspischen Meer, welches sogar 34 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Wir biken zwei Tage und legen cirka 120 Kilometer zurück. Dann geht es am Montag mit den Bergschuhen weiter auf eine Höhe von 4200 Metern. Dort werden wir ein oder zwei Tage verweilen, um uns ein bisschen an die Höhe zu gewöhnen. Am 4. oder 5. Tag ist dann der Aufstieg geplant ( Dienstag oder Mittwoch). Die Besteigung ist relativ einfach; jedoch ist die Höhe nicht zu unterschätzen. Wir werden bei unserem Projekt vom Iranischen Bergclub begleitet, welcher alles für uns organisiert hat! Somit wird es sicherlich auch ein interessanter kultureller Austausch werden.
Paulinchen, das Maskottchen der Paulchen Esperanza Stiftung, ist auch wieder mit dabei! Ich bin gespannt, wie es ihr gefällt! 

Seid LIVE mit dabei auf http://www.bottomupclimbs.org/bottom-up-iran/
Wir haben ein GPS Trackingsystem dabei, womit ihr uns folgen könnt!
Oder auch auf Facebook: https://www.facebook.com/BottomUpClimbs?fref=ts


Paulinchen ist ready!


Montag, 7. Juli 2014

AN IDEA

Endlich ist mein Kurzfilm fertig und online:


Ich danke an dieser Stelle Xaver Walser von subgraviti, der mit seinen Ideen den Film so speziell gemacht hat. Andrew King für seine Filmarbeit und Support aus Südafrika. Ich danke
- Evelyn und Heinz Julen vom Backstage in Zermatt für Zimmer mit Matterhornblick und Verpflegung 
- Ueli von der Capanna Basodino für Übernachtung und Verpflegung
- Herrn Ris vom Hotel Castello Seeschloss in Ascona für Übernachtung im Turmzimmer und Verpflegung
- UVU Racing für Support
- Plattner & Plattner für Support
- Hotel Castell Zuoz für die Location
- Elektro Pomatti für Elektro
- Figaro St. Moritz für Hair & Make Up

Ganz besonders Petra Hammelmann und Bertold Zink für die starke Unterstützung.

Viel Vergnügen!
 
AN IDEA


Montag, 23. Juni 2014

Sieg beim Zugspitz Ultra Trail: Das Feld von hinten aufgerollt!

Nach 100 Kilometern und 5400 Höhenmetern im Aufstieg durch die wunderschönen bayrischen und österreichischen Alpen sprinte ich als erste Frau mit einer Zeit von 13 Stunden und 53 Minuten über die Ziellinie. Jeglicher Schmerz ist vergessen und ich lege beim Zieleinlauf noch einen 1A-Handball-Sprungwurf hin! Die Euphorie steht mir ins Gesicht geschrieben und wird von meinen Laufkollegen vom UVU Racing - Team mit einer Bierdusche gebührend geehrt! Ich freue mich unglaublich und bin mehr als sprachlos. Denn der Sieg war bis 8 Kilometer vor dem Ziel überhaupt nicht klar. Aber der Reihe nach:

Die Nacht vor dem Wettkampf war schlaflos, unruhig und von Sorgen geprägt. Hatte ich genug trainiert, oder sogar zu viel? Meine Beine fühlten sich irgendwie so leer an und in meinem Kopf herrschte das absolute Chaos. 100 Kilometer, diese vielen Höhenmeter und einfach diese lange Zeit, die ich unterwegs sein würde. Ich beruhigte mich immer wieder mit dem Satz: "Es kommt wie es kommt und das Spiel ist erst fertig, wenn ich im Ziel bin." Nach ein paar Stunden Schlaf ging es dann auch schon los. Gemeinsam mit meinen Laufkollegen aus dem UVU Racing Team fuhren wir zum Startgelände. Da wir alle etwas spät dran waren, nutzen wir die Gelegenheit und kletterten über den Absperrzaun, so dass wir in der ersten Reihe standen. Die Zeit bis zum Startschuß verging im Flug. Die ersten 400 Meter trotteten wir alle hinter einer bayrischen Blaskapelle hinterher und dann ging es urplötzlich los. Der Start war rasant und das Tempo relativ schnell.

Zwei Frauen waren vor mir, was mich überhaupt nicht beunruhigte. Einen 100 Kilometer-Wettkampf gewinnt man nicht unbedingt auf den ersten Metern. Der Anfang war relativ flach, so dass ich einen guten Rhythmus fand. Bei den ersten steileren Anstiegen wechselte ich in den Speed-Hiking-Modus und schraubte mich Meter für Meter den Anstieg hoch. Zusammen mit meinem marokkanischen UVU - Teamkollegen Mohamed Ahansal (extrem guter Wüstenläufer und vielfacher Gewinner des Marathon des Sables. Zudem Veranstalter des Transatlas Marathon !) spulte ich die ersten 10-15 Kilometer zusammen ab. Mohamed hatte leider keinen guten Tag erwischt und lief seinem Rhythmus hinterher. Dafür motivierte er mich allerdings umso mehr und gab mir ein gutes Tempo voraus! Ich hörte immer wieder ein "Jallah Jallah" , was soviel heißt wie: schnell schnell! Für mich ging es dann in einem guten Tempo weiter. Mohamed entschied sich nach 40 Km auszusteigen.
Dem zweiten Anstieg gab ich den Beinamen "Dreigestirn", da es auf einer Höhe von 2000-2200 dreimal rauf und runter ging. Bergauf war es mühsam, bergab war ich in meinem Element. Meine Beine waren sehr stark und die Füße suchten sich mit einer gekonnten Geschmeidigkeit den Weg zwischen vielen kleinen und großen Steinen. Zum Glück hatte ich Stöcke dabei, so dass ich mich bei dem hohen Tempo gut abstützen konnte. Nach ca. 40 Kilometern konnte ich dann eine der beiden Frauen, die vor mir waren, überholen. Das gab mir große Motivation und neue Kraft. An der Verpflegungsstelle 5 hatte ich dann auch die erste Frau eingeholt, was mich dann doch sehr überraschte. Die Italienerin zählte zu den Favoritinnen und war auch extrem stark unterwegs. An den Verpflegungsstellen läuft es normalerweise immer recht hektisch ab. Alle wollen zeitgleich trinken und essen und herrscht ein reges Durcheinander. Helfende Hände aus dem eigenen Team sind da natürlich immer herzlich willkommen. Basti reichte mir Gels und Salzstangen und riss in der Eile meinen Trinkbecher in zwei Teile, wofür ich ihn herb anschnauzte, da ich wertvolle Zeit verlor. Im Nachhinein kann man über solche Szenen nur lachen, aber im Wettkampf ist alles immer irgendwie anders! Mit aufgefüllten Wasserflaschen ging es dann auf das gefürchtete 30 Kilometer lange relativ flache Stück. Zuerst über eine asphaltierte Straße und dann wieder rein in den Wald über eine Forststraße, die niemals enden wollte. Ich lief alleine und überholte nur hin und wieder Läufer aus einer anderen Kategorie. Diese Fortstraße verlangte alles von mir, da bei Kilometer 60 die Beine schon nicht mehr ganz so frisch sind und Schmerzen durch die Nerven jagen. Ich hab mir immer nur diesen Satz vorgesagt: "Schmerz ist eine Schwäche, die den Körper verlässt!" Oder so ähnlich. Auf alle Fälle hat es dazu geführt, dass ich innerlich nicht blockierte und alles im Fluss war. Auf dieser längsten Forststraße der Welt schmerzten meine Oberschenkel deutlich und jeder Rhythmuswechsel vom Gehen ins Laufen grenzte an einen Weltuntergang. Irgendwie habe ich mich durchgebissen und auch diese Krise überstanden. An der nächsten Verpflegungsstelle traf ich dann einen der Läufer, die ich immer mal wieder vor mir gesehen habe. Fortan rannten wir zusammen und als das Schild "20km to go" auftauchte, freute ich mich sehr. Nur noch 20 km, dann würde ich es geschafft haben. Im Kopf war ich entspannt und machte mir über eine mögliche Platzierung kaum Gedanken. Ich lief in meinem Tempo und sagte mir immer wieder, dass das das Maximum ist, was ich in diesem Moment laufen kann.
Zusammen mit meinem "Laufhasen" Carsten ging es dann in einem sehr flotten Tempo auf den letzten Anstieg: 1200 Höhenmeter rauf! Mit einem Energiekick in Form von Koffein (Winforce Booster!) schraubte ich mich durch einen dichten Nadelwald (oder war es Laub?) über Stock, Stein und Wurzeln immer weiter rauf. Die Italienerin konnte ich immer wieder sehen und dachte mir, dass es doch noch möglich sei, sie zu überholen. Aber ich lief weiterhin in meinem Tempo. Nach der Baumgrenze auf knapp 1600 hm kam ich endlich zur nächsten Verpflegungsstelle und füllte die Flaschen nochmals für die letzten 400m im Anstieg auf. Der Weg führte über Skipisten und großen Serpentinen stetig bergauf und erinnerte mich an meine vielen Trainingsläufe rauf auf Muottas Muragl. Ich war weiterhin kraftvoll in den Beinen und im Kopf unterwegs und es rollte. Das einzige, was mich beunruhigte war die Tatsache, dass ich die Italienerin nicht mehr sehen konnte. Es konnte doch nicht sein, dass sie so viel schneller war als ich und nach 92 Km noch so viel mehr Power hatte, dass ich sie überhaupt nicht mehr sehen konnte? Irgendetwas war da faul. Ich überlegte, ob sie vielleicht verletzt aufgeben musste oder ob ihr etwas anderes passiert sei, oder was auch immer. Diese Gedanken hielten mich allerdings nicht davon, das Tempo konstant am Limit zu halten. Und dann ging es auch schon bergab. Schnell noch einen zweiten Koffeinkick und dann mit höchster Konzentration 1200 Höhenmeter runter! Meine Beine waren noch erstaunlich frisch und die Schmerzen, die ich vorher spürte, waren weg. Das Adrenalin und die Vorfreude, dass es bald vorbei sein würde, peitschten mich die Singletrails runter und ich flog auf den letzten Kilometern frei vor mich hin. Der Wald wurde immer dichter und der Untergrund immer rutschiger, als ob jemand Schmierseife ausgeschüttet hätte. Ich rannte allerdings mit einer Sicherheit über jegliches Terrain, als wären mir unterwegs zusätzliche Beine gewachsen! Als ich das Schild "KM 3 to go" passierte, tauchte plötzlich Björn aus meinem UVU Racing Team auf. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht fragte er mich, ob ich wüßte, dass ich die Siegerin sein! Völlig verdattert meinte ich zu ihm, dass das nicht sein kann, da ich die Italienerin nie überholt hatte! In knappen Sätzen sagte er mir dann, dass sie disqualifiziert worden sei, da sie einen Streckenabschnitt nicht gelaufen ist. Und ich bräuchte mich auch nicht zu beeilen, da die zweite Frau über 1.5 Stunden hinter mir sei. Egal, ich nahm die Gämslibeine in die Hände und rannte in einem Affentempo in Richtung Ziel. Als ich die Lautsprecherdurchsagen hörte, konnte ich nicht mehr aufhören zu grinsen. Mein Körper war voll mit Adrenalin und alle Schmerzen waren vergessen. Mit einem Sprungwurf warf ich mich ins Ziel und wurde sogleich von allen UVU Teammates mit einer Bierdusche begrüßt! Was für ein Gefühl. Nach 13 Stunden und 53 Minuten hatte ich es tatsächlich geschafft. Schade für die Italienerin, das ist wirklich bitter. Aber wer weiß: ich hätte sie vielleicht auch noch überholt. Auf 100 Kilometern kann wirklich alles passieren! Mein größter Dank geht an UVU (You versus You) Racing- besonders an Basti für all die guten Zusprüche und den Support! UVU konnte sich an diesem ersten Teamevent super präsentieren. Dan Doherty konnte auf den 3. Rang bei den Männern laufen und auch Tim Wortmann ist als 7. mit einer sehr guten Zeit ins Ziel gelaufen!
Jetzt heißt es erstmal Regeneratio: Im Heilbad St. Moritz gab es ein Kohlensäurebad und anschließend eine tolle Massage von Britta. Danach einen Liter Heilbadwasser und ein paar Gummibärchen, damit die Gelenke wieder geschmeidig werden! 
Rock n Roll!
Bierdusche von Basti

Björn, AMF und Basti

Noch frisch und fit bei KM 15

Immer vorne mit dabei...




UVU Racing Teammates


Lets rock it!



Dan Doherty 3rd place men overall

Dan und Reiner

JP from the Netherlands!

Michael Wardian

Mohamed Ahansal

Rainer
Famous UVU Team
Terry

Fotos @ UVU RACING (Moritz Garhammer) und Sportfotograf. Bilder dürfen nur mit den entsprechenden Credits verwendet werden.